Dulli. (freudig) Seid Ihrs noch nicht? — wahrlich noch nicht? O dann, Herr, dann steht meinem Vaterlande bei; — Ihr könnts! Um Gotteswillen, hastet Euch. — Seht, sinds nicht schier vierzig Monate, daß wir hier leben? Habt Ihr Euch in vierzig Monaten noch nicht auf das Wie? besinnen können? — O es ist ja so leicht zu erfinden, wenn Ihr nur ein warmschlagendes Herz besizt! — Seht, nehmt einen Dolch und stoßt ihn in Piedros Wanst, erwürgt seinen Spürhund Benedetto, seinen Mordhund Moriz, wenn sie von griechischen Weinen benebelt sind, oder sie an der Tafel vom Mark des Unterthans schwelgen, oder sie am Busen ihrer Huren wollüsteln! — Es ist ja kinderleicht! — und dann lauf’ ich hin auf den Dominikusplaz, und schreie: Kanella du bist frei! und Tausende werden Freiheit mit mir rufen und Tausende mit mir ihre Kniee vor Euch beugen! — Nun, Herr?

Florentin. (ihm die Hand drükkend) Du bist ein vortreflicher Kerl! —

Dulli. Aber — —?

Florentin. (geht nachdenkend durchs Zimmer, kehrt schnell zurük) Ueberwarte noch drei Monate, und bist du dann nicht mit mir zufrieden, so nimm alles, was ich habe und zieh in deine Wüste damit!

Dulli. (bedenklich) Noch drei Monate — noch zwölf ganze Wochen, Gott weis es, wie viel hundert Tage dazu gehören! — — doch ich harre sie aus.

Florentin. Rufe morgen die alte Wahrsagerin zu mir — Es ist ein verwegnes Weib, sie soll Lärmen unter dem gemeinen Volk machen!

Dulli. (horchend) Ein altes Weib muß zu Euern Plänen — —

Florentin. Alte Weiber und Pamfletenschmierer gehören zu den wohlthätigsten Uebeln in dieser untermondischen Welt. — Geh!

Dulli ging mit hoher Verwunderung ab; der Graf aber mas noch lange das Zimmer mit seinen Schritten. Es kämpfte seine Seele einen schweren Kampf — und er siegte ob.

„So geh es denn, wie es wolle!“ dachte er bei sich, als zum Resultate seiner Ueberlegungen: „Gute, und schlaue Sanftheit sind vergebens angewandt, die Hyder auf Kanellas Thron zu zähmen — sie falle nun! — Befördre ich die Rebellion nicht, so werden es mehrere Enrikos und vielleicht unglüklicher, als ich, weil sie im Sturm der Leidenschaft handeln. Es sei; Kanella, ich reiße dir das Joch ab, freigeborne Menschheit, fühle dich frei und gros. — Bürgerblut wird vergossen werden, aber auch das Blut der Tyrannen!“ —