Die schöne, wollustathmende Rosaffa, welche noch die alten Launen unsers Grafen kannte, wußte jezt ihre Schwächen und Fehler so reizend in die Glorie der Tugend zu verhüllen, daß sie dreimahl schöner, als vorher war; Oeffentlich hing sie freilich an Piedro; aber wer konnte ihrs verwehren im Geheimen nach den Grafen hinzuschielen, oder ihm unvermerkt die Hand zu drükken, oder ihm unterweilen einen von tiefen Seufzern gehobnen Busen erblikken zu lassen? — So listig, so erfahren wie sie in der Kunst war Nezze für Männerherzen zu strikken, waren nur wenige, und eben dies lies gewis den herrlichsten Sieg über Florentin für sie hoffen. Und als sie schon liebebekennende Erwiedrungen ihrer Blikke, ihrer Händedrükke, ihrer Seufzer spürte — o, welches weibliche Herz hätte da noch von fehlgeschlagnen Wünschen träumen können?
So wie in der Damenwelt der Name: Fiorentino! Fiorentino! allenthalben die Losung geworden war, eben so auch in der männlichen und vorzüglich politischen Welt Kanellas. Ich wag’ es nicht zu bestimmen, von welcher Seite er mehr geliebt und geschmeichelt wurde. Aber so viel ist gewis, daß Florentin bei den Kanellesischen Volkspressern ursprünglich und am meisten sein Glük gegründet hatte.
So unwichtig er auch bisher in den Augen des Hofes gewesen war: so zeigte man sich ihm denn doch mehr, als kaltblütig und gleichgültig, weil er im Verdacht stand, als hielt er sich mehr zur Volksparthei, denn zum Hofe. Allein nun war auch der geringste Argwohn von ihm in dieser Rüksicht verschwunden, denn er hatte eine neue, goldhaltige Quelle für Piedros Finanzen aufgefunden, die freilich im Herzen des Volks aufgeschlagen werden mußte, aber auch um deswillen desto ergiebiger floß.
Bald darauf rükte er mit mehrern Plänen hervor, die so fein ausgearbeitet waren, und so lieblich nach Machiavellis Kompendium der Staatskunst schmekten, daß Piedro, Moriz und Benedetto dem erfinderischen Kopf schlechterdings ihre Bewunderung nicht versagen konnten. Kurz, er hatte aller Beifall gewonnen; — eine fürchterliche Art Freunde zu erlangen, wenn das schon gemärterte Volk unter diesen neuen Foltern noch mehr leiden und Weh’ und Jammer über solchen Bund schreien muß!
Auf alles dies, meine Leser, bezog sich nun das Gespräch des Prinzen Moriz mit seinen Getreuen. — Flimmer, der vorher nicht wenig argwöhnisch auf den Grafen gewesen war, wurde es durch dessen jähe Metamorphose noch mehr. Nur Moriz, der um die ganze Sache genauer zu wissen glaubte, schäzte Florentinen, doch heißt das a la Moriz!
„Ich traue ihm nicht!“ rief Flimmer einmal über das andere des Prinzen tauben Ohren zu.
„„Du bist ein Narr!““ war die gewöhnliche Replik darauf.
Flimmer. Und gebt acht, gnädigster Herr, gebt acht, daß Euer Flimmer, der sich noch so selten betrogen, sich auch diesmahl nicht hintergeht.
Moriz. Sprich, du Erzhase, du furchtsamer Teufel sprich — hast du je, binnen der Zeit, daß er sich in Kanella befunden, eine einzige schiefe Handlung von ihm observirt?
Flimmer. Ich muß es eingestehn, keine einzige, ungeachtet ich ihn schärfer beobachtet habe, als der Satan eine arme Sündersseele — aber — —