Ein Tag vergieng nach dem andern, eine Woche nach der andern und ehe es Herzog und Florentin vermutheten, rükte die lezte Woche heran.

Gram im Herzen, Gram im Blik nahm der Graf von seinen Freunden Abschied; er beurlaubte sich von der herzoglichen Familie — jeder wünschte ihm mit beklemmter Brust glükliche Reisen, jeder sich selber sein baldigen Wiedersehn. Nur der Herzog that Angesichts aller kalt, und keiner litte mehr, als er, in seinem Herzen um Florentins Verlust.

O wie schöne Thränen sah man izt an den seidnen Wimpern manches Mädchens beben, deren schüchterne Liebe nie um Florentins Gegenliebe buhlte! wie viel niedliche Lippen küßten hier den heftigsten Abschiedskuß, die sich sonst spröde dem Munde liebender Jünglinge entzogen! — der Neid selber trauerte um Florentins Verlust, denn nun blieb ihm nichts mehr zu beneiden übrig.

Der Graf hatte seine Geschäfte in Ordnung gebracht, alles Ueberflüßige in Geld umgewandelt, die Bedienten sammt und sonders abgedankt, ausser dem alten, stummen Badner und seinen Reitknecht, dem frohgelaunten Gotthold.

Der Graf hatte vom Herzoge noch die Erlaubnis genommen, den Rest der lezten, vierten Woche bei seiner Familie zu genießen. Der Morgen graute für ihn zum leztenmale in der Residenz; die Pferde waren gesattelt, die Pilger in ihr Reisegewand gehüllt.

Man wollte aufbrechen; eine große Menge Volks stand um den ehmaligen Duurschen Pallast versammelt, den Besizzer desselben noch einmal zu sehen.

Und als Florentin eben heraustrat, sank ein Greis vor ihm nieder, seine Kniee umfassend. Ein Haufen Kinder drängte sich hinzu, seine Hände zu küssen; einige Männer und Frauen schlossen sich näher an dieselben — keiner sprach, aber in den Zügen ihrer Gesichter las man die unter allen Zonen der Erde bekannte Sprache der Empfindung.

Bestürzt fragte der Graf: „was wollt ihr, lieben Leute?“

„Nichts, nichts!“ stammelte der Greis: „Sie haben uns schon so viel gegeben, wir wollen nichts mehr! — aber — sehn Sie nur, lieber Herr, ich bin noch in meinen alten Tagen durch Sie recht froh, recht glüklich geworden, und meine Kinder auch. Da kommen wir nun und wollen danken, und Sie noch einmal recht ansehn, um Ihr Bildnis sobald nicht zu vergessen. Auch, wir haben Sie so lieb, so lieb!“

„„Ja, so lieb! so lieb!““ lallten einige von den Kindern, die an seinen Händen hiengen. „Ich bin nunmehro alt und schwach,“ fuhr der Greis mit gebrochner Stimme fort: „der liebe Gott wird mich bald heimfodern zu sich und da will ich an seinem Throne für Sie beten, und der liebe Gott wird mich gewis erhören. — Ach, sehn Sie doch um sich, sehn Sie diese Familien, das sind da meine Kinder, die dort meine Enkel, und ich, ich bin ihr Grosvater — und wir alle freuen uns des Lebens, denn Sie habens ja so herzlich gut mit uns gemeint. Und nun — und nun ach! — —“