Der Alte schluchzte; die jungen Männer und Weiber verhüllten ihre Augen in Tücher und Schürzen, die kleinen lärmten lustig an Florentins Seite, und Florentin — fühlte alles und nichts, stand da mit düstrer Stirn, sah umher durch die Menge der Zuschauer, als suchte er einen Mittelsmann, welcher ihn mit guter Art von diesem schönen Auftritte ablösen möchte.
Die erste traurige Spur von den Wirkungen seiner Schiksale auf sein Herz! Er war nicht mehr der herrliche, blühende Jüngling, voll Hochgefühl für der Natur erhabne Szenen; nicht mehr dürstend nach den Thränen des Dankes; nicht mehr ringend nach Unsterblichkeit seines Namens. Misgestimmt stand er da unter lieblich gestimmten Seelen, als verständ’ er die Sprache der Herzen nicht mehr. Das ehrerbietige Schweigen der Menge begeisterte ihn nicht; das schwimmende Nas in Männer- und Weiberaugen belohnte ihn nicht, das Lallen der Unmündigen war ihm keine Harmonie mehr. Er, ehmals mit dem lieblich schwankenden Karakter, der nach allem sich hinewigte, von einem Gefühl zum andern, von einer Leidenschaft zur andern überflog, hatte jezt eine melancholische Festigkeit gewonnen.
„Lebt wohl!“ rief er, ris sich los, schwang sich aufs Roß, sprengte die noch schlummernden Straßen hinunter, Gotthold und Badner ihm nach, und so zum Thor hinaus.
„Lebt wohl! lebt wohl!“ riefen ihm einige hundert Stimmen nach: „lebt wohl! Gott vergelts! glükliche Reise! Habt Dank! in der Ewigkeit wieder!“ — — —
Drittes Kapitel.
O, die glükliche Nachwelt!
„Was soll denn der Küster, Onkelchen?“ fragte Rikchen den alten Herrn von Duur, der sich voll heimlicher Freude, die Hände rieb.
„„Du wirsts ja sehn, du neugieriges Ding!““ antwortete der Onkel, und schob sich die weiße Mütze tief über die schmunzelnden Augen herunter, indem er gegen das Fenster gieng.
„Aber Sie haben ja heute schon dreimahl zu ihm geschikt?“
„„Ja, ja, das läßts vermuthen, daß ich jezt eine Sache von Wichtigkeit, die auch dich interessiren, muß!““
„Auch mich, Onkelchen?“