„„Auch dich, gnädige Frau von Sorbenburg!““

Man klopfte an. Der Küster des Dorfes Sorbenburg trat herein, mit drei respektvollen Verbeugungen. Er war heut ungewöhnlich gepuzt; in seiner Hand hielt er ein halbes Duzzend zusammengelegter Briefe.

„Habe die unterthänige Gnade, Ew. Hochgräflichen Gnaden, hier — habe — war — ich machte — Gnaden — die Gevatterbriefe. —“

Der gute Custos loci, welcher sein erlerntes Kompliment so schmälig vergessen hatte, stotterte, wurde blas, wurde roth, hielt die Papiere hin, zog sie wieder zurück und kam darüber so ausser aller Fassung, daß wenig fehlte und er wäre wieder zurück gelaufen, um das Kompliment besser durchzustudiren.

„Gevatterbriefe?“ fragte Rickchen, indem sie von der Seite sah und roth wurde.

Onkel. (lächelnd) Freilich, Gevatterbriefe, freilich! — es hätte mit ihnen wohl noch ein paar Monate Zeit gehabt, aber das ist nun so einmahl mein Fehler, daß ich die Zeit nie abwarten kann. Ich mußte sehn, wie sich dein Name auf einem Gevatterbriefe präsentirt. — Nun und du wirst ja wissen, ob wir bald Gebrauch davon machen können. He, he, he, he!

Küster. (der sich inzwischen zu sammeln suchte) Verzeihen unterthänigst Ew. Hochgräfl. Gnaden, daß wenn — aber — ich wollte — hatte — hier sind die Gevatterbriefe.

Onkel. Was fehlt ihm denn, Herr Küster; Er bringt ja kein vernünftiges Wort heraus? hat Er etwa schon auf baldige Kindtaufe seiner gnädigen Frau ein Schnäpschen getrunken? bravo! geb Er die Briefe her.

Küster. (reicht sie dem Grafen) Ew. Hochgräflichen Gnaden unterthänigstermaaßen aufwarten zu thun.

Onkel. (die Aufschriften lesend) „Sr. Wohl- und Hochgeboren dem Herrn, Herrn von Bastholm“ — ha, ha, ha, der soll sich wundern! — „Sr. Gräflichen Hochgebornen Gnaden dem Herrn, Herrn von Duur, herzoglichen“ — — allerliebst! nun geh Er, Küster, und laß Er sich vor der Hand ein Glas guten Landwein geben.