Der Küster gieng. Onkelchen öffnete einen der Briefe und las: „Nachdem es nun dem grundgütigen Gott gefallen, was maaßen er meine liebe Frau —“ Hier hielt ihm Rikchen die Hand vor den Mund und stellte sich lächelnd böse. Der frohe Alte wollte lesen, Rikchen hinderte es, erwischte die Briefe und lief zum Zimmer hinaus.

„Wart! warte!“ rief der Onkel, indem er aufstand, und sie so eilfertig, als es seine Wohlbeleibtheit verstattete, verfolgte: „warte, das soll dir durchgehen!“

Er schlenderte eben die Hausflur hinunter, als er zu seinem größten Erstaunen die Briefe zerstreut auf dem Erdboden liegen sah. Er machte Anstalten sie aufzulesen, als er Florentins Namen unzählige mahle von Rikchens Lippen hörte. Frohe Ahndung durchzukte ihn — rasch lief er der Stimme nach, und sah — o Wunder! — sah den lieben Florentin in den Armen seiner holden Schwester liegen.

Ihn umarmen, ihn küssen, ihm Vorwürfe machen, war Eins.

„Ei du Blizkammerherr, mußt du denn immer das Spiel der Ueberraschung mit uns treiben?“ rief der frohe Greis: „unvermuthet, verschwandst du vor etlichen Wochen, und unverhoft stehst du wieder hier.“

Man begab sich in ein Zimmer. Florentin erzählte die vorgeblichen Ursachen seiner plözlichen Ankunft.

„Ein paar Tage nur willst du bei uns sein?“ fragte der Onkel und sah ziemlich misvergnügt aus.

„Ein paar Tage nur,“ sagte Rikchen, und es war ihr, als sollte sie weinen.

„Doch nein!“ hub der Onkel wieder an, da er Rikchens Stimmung gewahrte: „Das ist recht! das ist brav, daß dich Sr. Durchlaucht auf Reisen schikt — Donner, aus dir kann einmal ein ganzer Mann werden. Höre, Florentin, höre, und hast du denn die lezte Ehrenstufe erklettert, gafft dich verwundrungsvoll das ganze Herzogthum an, hast du recht viel braves gethan und bist müde: dann nimm deinen Abschied und ein Weibchen, komm zu uns und ruhe im Arme deiner guten Freunde von guten Thaten aus. Hörst du? — o, wenn ich doch nur die Seeligkeit noch erlebte, dann wollt’ ich meinen Kopf herzlich gern zur ewigen Ruhe niederlegen! —“

„Alter, guter Mann, wirst sie nicht erleben; wohl dir, daß du nicht allwissend bist!“ dachte Florentin bei sich selber.