Man konnte sich nicht sobald müde schwazzen, aber weil Holder noch fehlte, so wollte man Boten ausschikken, ihn herbei zu rufen, denn er war aufs Feld hinausgegangen. Allein Florentin brachte in Vorschlag, daß er sich die Freude des Ueberraschens nicht rauben lassen, sondern ihn selber aufsuchen wolle. Wer konnte ihm widerstehn? Er gieng.

Florentin, wie war dir, als du jezt vor dir hinwandertest, du zum Dorfe hinaustratest, und in nachbarlicher Ferne das Duursche Schloß erbliktest, die fröhliche Wohnstatt deiner Jugend? — In schwermüthige Gedanken verloren, gieng er unwillkührlich den Weg, welcher dorthin führte, und er wäre vielleicht, ohne zu wissen wie, dort angekommen, hätte ihn nicht eine bekannte Stimme aus seinen melancholischen Träumen erwekt. Er blieb stehn, sah sich um und ward Holdern gewahr, der seitwärts über eine Wiese zu ihm herangelaufen kam.

Florentin erschrak, ohne sich angeben zu können, warum?

„Nun, irrender, in Bann und Acht erklärter, vogelfreier Ritter, wie gehts?“ fragte Holder mit einem traurenden Lächeln, und schloß den Grafen in seine Arme.

Florentin. (mit einem Seufzer) Wie du siehst, es geht alles nach Wunsche.

Holder. Es freut mich, armer Landesverwiesner, dich noch einmahl im Vaterlande zu sehn.

Florentin. (bestürzt) Wie?

Holder. Warum so befremdend, da ich doch um dein Schiksal weis? Sei zufrieden mit deinem Loose, es ist noch nicht das fürchterlichste.

Florentin. Fürchterlich genug!

Holder. Der Erdenball ist unser Vaterland; ein Weiser ist an allen Orten zu Hause, denn allenthalben bietet ihm die Gelegenheit Stoff dar, wodurch er sich um das Wohl seiner Brüder verewigen kann.