Wer ihn im Park belauscht hätte, würde Florentinen, den großen, höfischen, verwegnen Florentin, den ernsten, hochgeachteten Bündner der schwarzen Brüder nicht erkannt, sondern einen sanften, liebesiechen, schwärmenden jungen Mann gefunden haben. Da stand er oft und schnizte den Namen, seiner Louise in die Rinde junger Linden; oder er drükte Holders Bildnis an seinen Mund, oder er rief den Namen seiner Schwester Friederike mit brüderlicher Wehmuth aus.

Ungestört hatte er hier bisher sich so manchen schönen Abend selber leben können, aber — ein schwarzer Dämon raubte dem guten Duur auch diese lezten Freuden.

Einsmahls lag er seiner Gewohnheit nach in seiner Lieblingsnische; der Abend war einer der schönsten des Augusts, die Gegend durch denselben so reizvoll geworden, das Abendroth zitterte wie in goldnen Tropfen am Halm und Laub, die Vögel gossen Melodien durch das Gehölz. Plözlich schlug der Saitenton einer nahen Guitarre sein Ohr; bald darauf mischte sich eine süsse, klagende Weiberstimme dazu. Florentin horchte betroffen; er hörte folgenden Sang:

Dich zu sehn, und dich zu lieben,

Einziger in der Natur,

Allgewaltsam hingetrieben

Auf der Liebe Dornenspur —

Eine That vom Augenblik

War mein Leiden, war mein Glük.

Dürft’ ich, Trauter, dir bekennen,