„Ein Narr wäre, wer sich verführen liesse. Der Reiche giebt, der Arme empfängt. Jeder thut, so viel er kann, so weit seine Kräfte reichen. Der stockende Kreislauf des Geldes erhält hier einen neuen Anstoß; selbst der filzigste Kaufmann wird durch das allgemeine Beispiel der Humanität zur Freigebigkeit gereizt; Geldkasten, welche, sonst immer verschlossen, ihr goldnes Eingeweide sparten, öffnen sich an diesem Tage zur Wohlthätigkeit.“

In einem grossen, volkreichen Garten trennte sich im Getümmel der Fremde von unserm Pilger, welcher bald wieder neue Bekanntschaften anspann, und in der fröhlichen Gesellschaft von Männern und Frauenzimmern aus allen Ständen, Altern und Religionen sein Mittagsbrod verzehrte. Er genoß dabei das Vergnügen, einen armen Knaben, welcher in seiner Nähe war, auf eigne Kosten, zu speisen und zu tränken.

Von Wein und Freude berauscht, durchschwärmten sich die zahllosen Tausende izt wilder, welche hier allein das heilige Band der Menschheit und Menschlichkeit umschlang. —

Der braune Abend sank herab. Musik brach aus allen Gebüschen hervor; Tänze, um Mittag, beim hellen Sonnenlicht begonnen, wurden im Schimmer des Mondes, der Lampen und Fackeln fortgesezt.

Florentin, allenthalben und nirgends, ward von einer reizenden Bacchantin aus einem Cedernbüschchen entführt, worin er sich selbst überlassen, den schönen Göttergang des Menschengeschlechts übersinnend, umher lustwandelte.

Zu nahe an ihre zaubrischen Wirbel gelockt, überließ er sich der verführerischen Charybdis — tanzend verweilte er hier bis gegen Mitternacht. Dann entschlüpft er heimlich wieder um auszuruhn; aber seine Führerin verließ ihn nicht; schmachtend hing sie an seinem Arm, schmachtend sank sie neben ihm nieder auf das Rasenbänkchen einer matt erleuchteten Laube.

Achtes Kapitel.
Ach!

Nahe vor der Laube erhob sich unter einer Anzahl mehrerer Statüen eine, als einzig und vorzüglich über alle empor; beschirmt von dem gewaltigen Arm einer alten Eiche, überflossen vom Licht des Mondes. — Duur hatte sie schon, vor dem Eintritt in die Laube näher betrachtet, und die Gestalt Friedrichs des Einzigen erkannt.

Wovon sollt’ er mit der ermüdeten Führerin plaudern im heimlichen Dunkel der Laube?

„Sie heissen?“ fragte das schwarzäugigte Mädchen, indem es die düstern Haarlocken von Stirn und Nacken sich zurückwarf, und bei der Gelegenheit einen weissen, sanft gerundeten Arm an den Strahl der Lampe sichtbarer werden ließ.