„Das glaub’ ich nicht!“ antwortete Holder: „wer wollte Dich verlassen?“ sagte sein Auge und ein Kuß auf ihre blühnde Wange.
Als sie zurückkam, war er verschwunden; Tiefer hinein in einzelnes Gebüsch hatt’ er sich verloren, dem Ufer des umschilften Sees näher. Hier saß er und rauschte er mit leichtem Finger über die Saiten seiner Laute, und sank mit seinem Geist hinunter in dass stille Grab der fernen Vergangenheit.
Hier waren Rikchen und ihr trauter Oheim in der Sorbenburg die Gespielen seiner Seele. Er gedachte mit leiser Wehmuth jener elysischen Zeiten, da sie noch sein waren auf Erden, und der Tod ihren Himmel zerstöhrt hatte.
Er griff stärker in die Saiten, und sang wie sein Herz ihm diktirte:
Ergieß Dich in die Adern, süsse Schwermuth
Dränge mein Herz, bis das Auge thränt,
Und eine Zähr auf blasser Wange
Im Mondenschein zittert!
Der Abend ward stiller. Kein Lüftchen säuselte durch der Bäume schlummernde Zweige; das Ufer des Sees drüben hauchte sanft über die Wellen den sterbenden Ton der Stimm’ und Saiten zurück.
Idalla horchte vor der Hütte. Holder hatte sie das Spiel der Laute, die Natur aber sie Empfindung und Gesang gelehrt. Kaum herrschte die alte Stille, so hub sie an, in Begleitung der Saitenakkorde: