Florentin. Aber Kanella, und Frankreich, und Pohlen, und Preussen — — —

Holder. (lächelnd.) Und Dänemark, Otaheite, die ottomanische Pforte, Abessynien, China, Rußland und Spanien!

Florentin. Wo ist meine Flinte und mein Pudel?

Holder. Du wirst doch nicht Knall und Fall in diesem Augenblick — — —

Florentin. Wenigstens ein Schmalthier!

Sechstes Kapitel.
Der Wechselgesang.

„Der späte Abend kömmt, aber Florentin nicht!“ lispelte die kleine Idalla, indem sie im Mondenschein stand vor Holder. Sie schlug ihr grosses Auge traurig nieder zur Erde; ein loser Abendwind wehte die Locken ihres braunen Haars vom Scheitel und Nacken zum Angesicht vor, als wollt’ er ein Thränchen verstecken, welches im Begriff war, dem schönen Auge zu entfallen.

„Vielleicht hat er sich verirrt.“ Entgegnete Holder und sein Auge verirrte sich unwillkührlich in Idalla’s Reize und in die Nacht der Zukunft. Wie ein Engel der Unschuld stand die kleine Liebenswürdige vor ihm; sie war um so verführerischer, je weniger sie es wußte, daß sie es sey. —

Er ergriff ihre Hand — er küßte sie. Idalla sah lächelnd und schwermüthig zu dem Fremdling auf, mit einem Blick, so reich an Liebe, so reich an Zweifeln.

„Er wird und verlassen.“ Seufzte sie, und ihr Auge sezte hinzu: „auch Du mich bald!“