„Es war kein Scherz.“ antwortete der Graf: „aber eben der fatalen Begebenheit hat Imada ihre erste Bekanntschaft mit unserm Florentin zu danken. — Im lezten Kriege hatte Imada das Unglück, von den Feinden in ihrem verwaisten, väterlichen Schlosse überfallen und gefangen zu werden. Es geschah dies nicht ohne Absicht. Der feindliche General war ein alter Liebhaber meiner Nichte. Weil der Himmel aber keine Sünde unbestraft läßt, so fügte ers, daß der General bei einer Rekognoscirung grade in meine Hände fiel. Ich ward zwar dabei verwundet, allein er mußte sich nun mit seiner Geliebten ranzioniren; aber ehe er den Vertrag unterschrieb, ward Imada als Deserteur, in männlicher Kleidung, zu uns ins Lager gebracht. Niemand war froher, als ich; sobald ichs durfte, rüstete ich einige Luftgondeln aus, um meine Beute in eine entfernte Gegend zur Sicherheit zu bringen. Unterwegs erhielten wir die Nachricht vom Friedensschluß, vom Zurückzug der Armeen, und wir begaben uns also hieher nach Mont-Rousseau, wo wir denn vor weitern Anfechtungen geschüzt waren. Auf der Reise nach Mont-Rousseau fand Imada unsern Florentin, wie einen Arkadier im Holze.“
Man scherzte noch vielerlei über das gefährliche Abentheuer; besonders gab Imadas Heroismus, in Mannskleidern aus dem feindlichen Lager zu entwischen, zum Lachen manchen Stoff. Nur Florentin nahm keinen Theil daran, indem er selbst schon mit dem Plan seiner Flucht zu sehr beschäftigt war.
Die Freunde schieden aus einander; jeder erhielt sein Zimmer; Florentin schrieb einige Zeilen, worin er seinen Schritt rechtfertigte, und als er alles im tiefen Schlafe wähnte, machte er sich auf, und entkam glücklich aus dem Schlosse.
Es war eine schöne Mondscheinnacht. Er hatte den Fuhrmann befohlen seiner am Ende der Allee zu erwarten. Wie erschrak aber unser Flüchtling, als er Pferd’ und Wagen nicht weit vom Schlosse stehend fand! Wie leicht konnt’ er hier entdeckt werden!
Um keine Zeit zu verlieren, eilte er sogleich zum Wagen und warf sich hinein.
„Um Gotteswillen, wer ist hier?“ rief er bestürzt, als er eine weibliche Figur neben sich erblickte, die er in Angst und Eil nicht gesehn hatte.
„Eine Reisegefährtin!“ lispelte ihm eine süße Stimme zur Antwort.
Duur war ausser sich. Imada selbst sas neben ihn. Seine Flucht war verrathen durch die Unvorsichtigkeit des Fuhrmanns.
In größerer Verwirrung und Bestürzung hatte Florentin sich nie befunden. Er konnte kaum ein Wort zu seiner Entschuldigung hervorstammeln. Er fürchtete die bittersten Vorwürfe, aber — Imada lächelte.
„So haben wir nicht gewettet!“ sagte sie in einem scherzenden Tone. „Nicht so, die Geschichte von meiner Desertion hat sie verführt?“