„Wo ist Ihr Bräutigam?“ flüsterte Duur unterwegs Imada’n ins Ohr.

„Noch ist er nicht hier,“ antwortete sie: „er kennt Sie sehr gut und liebet Sie herzlich. Aber hüten Sie sich doch etwas vor ihm, denn er soll sehr eifersüchtig seyn. Bis dahin wollen wir beide unter uns allen Zwang vergessen.“

Drittes Kapitel.
Die Flucht.

Sie traten ins Schloß des Grafen von Gabonne. Leben und Freude theilte sich allen Versammelten mit; nur Florentin war allein der einzige, welcher bei allem Vergnügen düster und mißmüthig blieb. Vergebens waren alle Aufmunterungen; er konnte nicht froher werden.

An seinen sehr erklärlichen Trübsinn schloß sich eine neue Art des Mißvergnügens, welche aus der unangenehmen Bemerkung entstand, daß man sich im Grunde auch nicht zu viel Mühe zu geben schien, seine Aufheiterung zu bewerkstelligen, sondern sich sogar unter einander, lachend und flüsternd, wie heimlich, verband, ohne ihn in diesen Kreis einzuschliessen.

„Der Leidende ist der einzige Ueberflüssige in der Gesellschaft der Fröhlichen!“ dachte er bei sich und der Plan war entworfen, der Entschluß gefaßt, mit einbrechender Nacht wieder davon zu reisen, bis die Hochzeitsfeierlichkeiten vorüber wären, und dann zurückzukommen, um den Heimweg nach Idalla’s Insel anzutreten.

Er ging hinaus; der Fuhrmann ward in aller Stille bestellt; er kam zurück und stellte sich froher.

Der Abend schlich allmählig vorüber. Um den künftigen Morgen desto besser zu geniessen, beschloß man ein frühes Zubettegehn.

„Gute Nacht!“ sprach beim Abschiede der freundliche Graf von Gabonne zu seiner Nichte: „morgen hast Du einen andern Freund, einen andern Beschützer an Deinem Gemahl. — Heut hab’ ich die Rolle zum leztenmal gespielt, und ich bins sehr zufrieden. Wahrhaftig, nichts ist gefährlicher, als ein Mädchen zu hüten; ich hätte bei meiner Ritterschaft leicht einmal das Leben eingebüßt.“

„Das Leben?“ fragte Holder.