Indem sie sprachen, und die drei biedern Greise, Gabonne, Gobby, Silberot sich in das trauliche Geschwätz mischten, erschien Idalla seitwärts, an ihrem schwesterlichen Arm gelehnt, verschämt und selig — Imada.
Duur erblaßte, als er seine Augen aufschlug und sie erkannte; ein brennendes Roth flog dann wieder über die Leichenfarbe seines Angesichts; er konnte kaum sich nur ermannen, kaum einge Höflichkeiten stammeln, kaum einen Kuß mit starren Lippen auf ihre Hand pressen.
Da stand sie nun vor ihm, die ihn allein zum Gott auf dieser Welt hätte machen können, und welche nicht die Seine werden konnte, und wollte; stand vor ihm, angethan mit allen Liebreiz, welche Jugend und Harmlosigkeit, Kunst und Natur verschwenden können; stand vor ihm, bebend und schweigend und erröthend, und sah ihn an mit einem Blick, der so unaussprechlich mild und verführerisch war und doch nicht das verheissen durfte, was Florentinen allein nur glücklich machen konnte.
Eingedenk der lezten, sonderbaren Unterredung in der Nacht, beim Schimmer des Todtenfeuers, wagte ers auch nicht, nur mit einem einzigen Blick, die quälenden Empfindungen verrathen zu geben, welche in seinem Innern tobten.
„Und so kalt?“ fragte Gabonne, der lächelnd ihnen beiden zur Seite stand: „Pflückt Rosen, so lange Ihr dürfet! — hurtig, ich weiß, daß Ihr im Leben das Küssen nicht verschworen habt, gebt Euch Küsse, eh’ der Bräutigam kommt und dem Spiel ein Ende macht.“
Er schloß beide in seine Arme. Erröthend näherten sie sich einander unter dem sanften Zwange; ihre Lippen hingen unauflöslich in einem entseelenden Kusse zusammen.
„Es verdrießt mich doch, daß die Dinge solch’ einen Gang nahmen!“ brummte der silberlockigte Gabonne halb freundlich, halb böse: „würdet Ihr beiden Leutchen nicht das beneidenswürdigste Ehepaar auf Erden geworden seyn, wenn — — — Doch, vergangene Dinge sind nicht zu ändern. Aber lieb wär mirs doch gewesen, wenn Ihr Beide so eins geworden wäret!“
Florentin warf einen schwermüthigen Blick auf den plaudernden Alten. Imada lächelte. Duur seufzte.
An Josselins Arm erschien, blühend wie eine Frühlingsrose Rosalia. —
Mit schwesterlicher Unbefangenheit umarmte sie ihren Professor der Alterthumskunde, und half ihn, wie im Triumpf, sie auf der einen, Imada auf der andern Seite, einführen in die Burg des Grafen von Gabonne.