„Endlich hat man Dich wieder, Du lieber Irrgeist, endlich!“ stammelte Idalla, voll herzlicher Rührung, und ein helles, schönes Thränenpaar funkelte in ihren Augen.

„Sieh mich nur an, Du Irrgeist, und sage mir, wie hast Du so lange fern leben können von Deinem Karlchen, von Holder und mir. Ach, tausendmal haben wir Dein gedacht an jedem Tage, und tausendmal heim Dich gewünscht zu unsrer Insel! Und Du bist nicht gekommen.“

„Nun bleib ich ewig bei Dir; nun will ich Dich nicht wieder verlassen, bis der Tod einen von uns abruft.“ Antwortete Duur und sank ihr von neuem in die Arme.

Karlchen umklammerte izt seinen Leib, und rief „Vater! Vater!“ ihm zu.

„O das ist der Seligkeit zu viel auf einmal!“ jauchzte Duur, und hob den lieblichen Knaben zu sich empor und hielt ihn Minutenlang und konnte sich an ihm nicht satt sehn, satt küssen, satt freuen.

„Aber mich wirst Du doch nicht ganz übersehn und vergessen wollen?“ tönte eine andre Stimme seitwärts. Holder, der alte treue Reisegefährte durch Leben und Tod, Holder eilte ihm mit weit ausgebreiteten Armen entgegen. —

„Nein!“ rief Duur: „wie sollt’ ich Dich übersehen, Dich meinen Genius in zweien Welten, meinen ältesten und zärtlichsten Freund! — O Holder, Holder, wieviel hab’ ich Dir zu erzählen; die Wunder dieses Zeitalters sind es werth, daß man ihrentwillen fünf Jahrhunderte verschläft; sie müssen selbst gesehn und erfahren werden, denn in der besten Beschreibung verlieren sie an Glanz, und bleiben dennoch unglaublich.“

„Desto besser, daß Du mein Referent seyn wirst, denn Dir glaub’ ich mehr, als zehn beeidigten Zeugen.“

„Auch, Bruder, auch Rikchens, Deines Rikchens Grab, — auch meines theuern Oheims Burg und Grab, den Schauplatz meiner Jugendspiele habe ich aufgesucht; und in seiner wilden Verwandlung kaum wieder entdeckt. Das alte Duursche Schloß ist izt ein kleiner Hügel verwitterten Gesteins vom Fundament; die Gräber, ihre Spuren, sind verweht.“

„Dies wäre grade noch für mich das Sehenswürdigste gewesen.“