Florentin. Meinst Du? — O, ich war beinahe zufrieden, hatte das achtzehnte Jahrhundert mit seinen Leiden und Freuden schon halb vergessen; mein Onkel, mein Rikchen, mein Badner, Louise, Adolph, Kanella, — alles hing nur noch in verbleichten Farben vor meiner Seele. Ich glaubte die Wunden meines Herzens schon zugeheilt; kein Gram nagte mehr an meiner Ruhe — o, mein Gott, und das alles hatt’ ich mir nur vorgelogen. — Louise lebt noch, und ich mit ihr in einem Jahrhundert.
Holder. Dich betrügt ein Traumbild.
Florentin. Sprich lieber, es hatte mich betrogen, und daß ich so — so, davon erwachen mußte! — —
Idalla. (mitleidig.) Du bist unglücklich?
Florentin. Ja, liebe Idalla, ich bin sehr unglücklich.
Idalla. Armer Florentin!
Florentin. Ja wohl, ärmer bin ich zu keiner Zeit gewesen!
Holder. Es bleibt mir alles ein Räthsel, ehe Du mir nicht umständlich Dein Abentheuer im Walde erzählst.
Florentin. Ich wills erzählen — vielleicht machts mich ruhiger. O, klaube aus meiner Erzählung jedes Mögliche heraus, um mir nur zu beweisen, ich habe Louisen nicht gesehn. Hörst Du? — Ach, ich liebe sie noch, ich muß sie lieben, trotz ihrer Untreue!
Holder wußte nicht, was er glauben sollte, und sah seinem Freunde mit einer unbeschreiblichen Verlegenheit ins Gesicht.