„Wie Du mich getäuscht hast!“ sagte Florentin mit unzufriednem Tone.

„Getäuscht?“ stammelte Holder, und tappte wie in einem dumpfen Traume um sich: „getäuscht? — getäuscht? Nein, nein, es ist überstanden: nein das achtzehnte Jahrhundert ist vorüber — wir haben lange — lange hier gelegen; das fühl’ ich.“

„Eine Nacht!“

Eine Nacht freilich für uns, aber sie muß wenigstens, ich sage wenigstens, die Dauer eines halben Jahrtausends gehabt haben.“

„Wollte Gott, mein Holder, dem wäre so. Wollte Gott, ich trät hinaus aus dem Gebürg in eine neue Welt! — o, die Schwärmerei gefällt mir, und noch izt, da ich ihre Unmöglichkeiten, ihre Widersprüche lebendiger, als je, erblicke.“

„Wie befindest Du Dich?“

„Matt, sehr matt, Freund, und Fieberfrost in allen Gebeinen.“

„Oheim! Oheim!“ rief Karlchen.

„Mein Sohn!“ schrie Florentin und raffte sich mühsam auf. Er wollte seinen Karl umarmen, und fühlte schaudernd sein Gewand rein abgemodert vom Körper; die Nägel ausgewachsen, wie Greifenklauen, und den langen Bart hinunterfliessen bis zum Nabel.

Ein kalter Schauder belief ihn.