„Holder! lieber Holder!“

„Was ist Dir?“

„Verwandlung! — Holder, wenn Du recht hättest! Beinah möcht’ ich an Deine Wunder glauben lernen.“ —

„Laß uns aufbrechen. Jezt ist jede Minute unsers Lebens kostbar! — Freilich, Bruder, haben wir nun eine kleine Ungemächlichkeit zu bestehn. Wir werden ein ganzes Weilchen die Rolle des Rousseauschen Favoritmenschen spielen, oder uns mit Feigenblättern bekleiden müssen, als weiland unsre Stammeltern. Doch wenn die Genossen dieses Zeitalters noch mit eben der Lüsternheit an Gold und Juwelen hangen; so haben wir nicht Ursach die Zukunft zu fürchten; Hier steht ja noch das eiserne Kästlein, zerfressen vom Rost.“

„Meinst Du, Holder, wir werden durch unsre Juwelen auch in dieser Welt die Herzen der Menschen unterthan machen? — Wie, wenn — — —“

„Närrchen! — versezte Holder: — so lange der Erdball von Menschenkindern bewohnt wird, bleibt Geld das große Losungswort; welches man unter allen Zonen verstehe, der Schlüssel zum Paradiese gesellschaftlicher Freuden, die Leiter zur Unsterblichkeit, der Talisman, mit welchem wir Oberherrschaften erringen, das Centnergewicht in der Waagschale des Verdienstes! — und Armuth? ach, sie ist und bleibt die gefährlichste Klippe, woran die ehrwürdigsten Bündnisse scheitern, sie ist das Schwerdt, welches die Eisenbanden der Freundschaft, wie einen losen Zwirn zerschneidet, ist der Riese, welcher die natürliche Freiheit und Gleichheit der Menschen zerstöhrte und die alte Ordnung aus ihren Fugen schlug!“

So redeten sie noch manches unter einander. Endlich machten sie ernsthafte Anstalten zum Aufbruch aus der Höhle. Mühsam erhoben sich die Männer des achtzehnten Jahrhunderts; mühsam schlichen sie an den Felsenwänden in der Finsterniß hin, und der holde Sohn Louisens taumelte wie ein Schlaftrunkner zwischen ihnen.

Sie mußten öfters stille stehn; theils um auszuruhn, theils um nach und nach ihr Auge an die beginnende Dämmerung zu gewöhnen.

„Siehe!“ rief Holder in einer solchen Pause: „wenn unsre Seele unsterblich ist, und diese Seele Bewußtsein und Gedächtnis und Empfindungsvermögen behält, so wird es uns dann seyn, wie izt, wenn wir den Todeskampf bestanden haben und einer neuen Welt entgegen reisen. — Gestorben sind wir vor fünfhundert Jahren, hinter uns liegt unser Grab, vor uns nun die neue Welt mit ihren neuen Leiden und Freuden. Vielleicht erwartet uns eine Hölle dort, vielleicht ein Elysium!“

„Vielleicht — — — Elysium!“ seufzte Duur!