Sechstes Kapitel.
Rosalia medisirt.

Die schöne Tochter des Commendanten konnt’s unmöglich länger dulden, daß der Fremde auf dem Divan wie geschmiedet sas. Sie mischte sich ins Gespräch, wiegelte auch die andern Damen auf, und der ehrliche Commendant mußte in dieser allgemeinen Revolution seinen aufmerksamen Schüler fahren lassen.

Die Unterhaltung ward mit diesem Augenblick gemeinschaftlicher und lebhafter; Florentin mischte sich unter die lieben Schwätzerinnen, und ohne daß er es wußte, drängte er sich Rosalien näher.

„Um Verzeihung, mein Herr!“ fing das Fräulein an, mit einem ironischen Lächeln, worin doch noch so viel Seelengüte wohnte:

„Sie sind wohl gar Professor der Alterthumskunde auf einer Akademie?“

„Beinah errathen, mein Fräulein.“

„Wirklich? Sie sehn doch aber so jung? Ich dachte mir unter solchen Alterthumsprofessoren wenigstens Graubärte von sechzig Jahren.“

„Sie wissen mein Alter nicht.“

„Aber sagen Sie offenherzig, gehören Sie denn wirklich zu den sonderbaren Leuten, die in der Vorwelt alles besser finden, als in der Iztwelt?“

„Wer könnte bei Ihnen die Vorwelt schöner finden?“