„Gewiß, aber sie werden gebaut, nicht den Todten, sondern den Lebendigen zur Nacheiferung; und heutiges Tages Verdienst ums Vaterland zu haben, ist wahrlich der Mühe werther, als vor fünf, sechshundert Jahren.“
„Ständ es in meiner Macht, so sollte auch Ihnen ein Denkmal gesezt werden, um recht viel so schöne Vertheidigerinnen dieses Zeitalters zu erwecken.“
„Ich bin Ihnen sehr verbunden; der Ruhm gehört Ihnen, weil Sie allenthalben zur Vertheidigung Anlaß geben.“
So stritten Beide noch ein Weilchen hin, unter Scherz und Lachen. Die Gesellschaft theilte sich in Partheien und söhnte sich erst mit Anbruch der Mitternacht aus.
„Wir sehn uns doch wieder?“ rief Rosalia beim Abschiede, und der alte, biederbe Silberot drückte dem entzückten Duur freundlich die Hand.
Siebentes Kapitel.
Die Spazierfahrt.
„O mein Oheim! mein guter, lieber Oheim, wenn Du izt lebtest — wenn Du nun so herrlich verwandelt sähest Deine Träume von der glücklichen Nachwelt in Wirklichkeit!“ rief der ehmalige Graf, als er nach Mitternacht in sein Quartier ankam, wo ihn der treue Pudel nach so langer Trennung mit freundlichem Gebell empfing.
Matthias schlief süß und fest.
„Holder, was werd’ ich Dir alles zu erzählen haben, was werd’ ich noch alles erleben! Ich war in meinem Jahrhundert keiner der unvollkommensten, und gleiche in der neuen Welt einem unwissenden Schüler, der allenthalben lernen muß. Ach, könnt’ ich sie aus ihren Gräbern rufen, die begeisterten Apologeten und Lobredner meines Zeitalters, könnten sie hören das Urtheil der Nachwelt über unser hochgepriesenes, aufgeklärtes Jahrhundert!“
Mit solchen Apostrophen entschlief er, und erwachte er wieder.