In diesem Augenblick sanken vor seinen erstaunten Augen die hohen, massiven Mauern und Gebäude rechte und links neben ihm nieder, wie auf der Bühne beim Klingeln des Soufleurs die gemalten Straßen; schon dampften, in gleicher Richtung mit ihm, die Schornsteine; bald verloren sie sich unter ihm, und die hohen Kuppeln der Kirchthürme näherten sich ihm vertraulich. Der Kahn gaukelte izt noch um die funkelnde Spitze des Thurmgipfels, wie ein Schmetterling um die Blume, und die aufgescheuchten Dohlen flatterten mit ängstlichem Geschrei an den Wimpeln der Gondel vorüber. Aber bald verloren sich auch die Thürme unter ihm hinab und wurden wie kleine Stäbe, und die Dohlen darum wie Fliegen.

„Mein Gott!“ rief Duur: „wohin mit uns?“

„In den Himmel!“ antwortete Rosalia mit einem schalkhaften Blick.

„Sie haben Recht, denn ich habe ja schon einen Engel an meiner Seite,“ erwiederte er und drückte Rosaliens Hand fester an sich.

Ein falber Nebel umfing sie. Die Nebengondel, worin sich der Commendant mit der Fremden befand, verschwand vor ihren Blicken. Sie schwebten allein über der stillen, furchtbaren Tiefe im unendlichen Raum.

Plötzlich scholl aus den Nebeln herüber eine Stimme: „Rosalia, versieh Deine Pflicht! Duur passirt die Linie zum erstenmal!“ — Es war die Stimme des Commendanten.

„Hören Sie wohl, was mein Vater sagt? Sie befahren diese Gegenden zum erstenmal; und wissen Sie wohl, was da Sitte ist?“

„Ich weiß wahrhaftig nichts.“

„Wenn ein Reisender zur See zum erstenmal die Linie passirt, wird er von den Schiffern nach Schifferbrauch getauft — das heißt, nur ein paarmal ins kühle Meer untergetaucht.“ —

„Das war schon vor alten Zeiten ein grausamer — — —“