„Was ich darunter verstehe? haben Sie noch keinen Feuergeist gesehn in den Apotheken?“ Der Commendant klingelte, ein Bedienter erschien und brachte nach einger Zeit auf dessen Befehl ein Fläschchen, welches, ins Dunkele gehalten, phosphorisch schimmerte.

„Sehn Sie,“ fuhr er fort: „dies chemische Produkt ist ausser dem gröbern Feuer das einzige, welches die Wirkungen der Kälte besiegt. Es erhält das Blut im warmen Kreislauf beim höchsten Grad der Kälte, und ein Tropfen davon in einen Becher voll Wassers, bewahrt dieses mitten im Winter auf dem höchsten Gebürge vor dem Frost.“

Florentin starrte bald das Fläschchen, bald den Commendanten mit einer Miene an, wie sie im achtzehnten Jahrhundert die Einwohner Australiens hatten, als sie zum erstenmal der Explosion einer Flinte beiwohnten.

„Ist es möglich!“ rief er.

„Kurz!“ fuhr der alte Silberot mit einem sanften Lächeln in seiner Erzählung fort: „Gobby kam glücklich mit seinen beiden Reisegefährten zurück zu dem Schiffe. Ein Jahr nachher theilte er den Europäern seine Entdeckungen mit. Ganz Europa zollte dem kühnen Mann den wärmsten Dank, und daß man ihn unter die verdienstvollen Edeln des Landes sezte, war Schuldigkeit.“

Rosalia, heut schöner, als je, trat in diesem Augenblick mit einer ihrer Freundinnen ins Zimmer. Florentin hätte gern noch Stundenlang dem gastfreundlichen Lehrer zugehört. Aber er mußte auch nur so in seiner Unterhaltung gestört werden, um freundlich zu bleiben.

„Es ist alles bereit!“ rief Rosalia ihrem Vater entgegen. Der Commendant nahm die fremde Dame und führte sie in den Hof hinunter; Rosalia bot lächelnd dem träumenden Duur ihren Arm.

In einem geräumigen, mit Quadersteinen gepflasterten Hof standen zwei Gondeln, mit Segeln von rosenfarbner Seide, und Fischbeinrudern von Taffent, die viele Aehnlichkeit mit Flosfedern des Wallfisches hatten.

Rosalia sprang in einen dieser Kähne, und winkte dem versteinerten Duur, der nun wohl merkte, wohin es mit ihm sollte. — Er betrachtete das leichte, magische Gebäu mit einer sonderbaren Aengstlichkeit, und würde alles darum gegeben haben, wenn man ihn mit dieser Promenade verschont hätte.

„Kommen Sie, kommen Sie, lieber Duur!“ rief Rosalia, und streckte die Hand ihm entgegen. Ein leichter Schauer überlief ihn; zitternd faßte er des Fräuleins Hand und — hätte ein herzliches ex profundis beten mögen — und sezte sich. Der Gondelier stieg ein. Der Kahn schwoll auf allen Seiten an. Florentin sah sich verlegen nach allen Seiten um und preßte sich dichter an Rosalien.