„Herr Duur, ein neuer Bekannter und Freund!“ rief der Commendant.
„Und unser ehrenfester Professor der Antiquitäten“ — sezte Rosalia hinzu, und, indem sie Florentinen argwöhnisch anlächelte: „unser — Freund?“
„Sie sind mir bekannt, Herr Duur — — wir haben uns irgendwo gesehn, gesprochen — ich weiß nicht wo? und nicht wie?“ sagte Gobby: „seyn Sie mir willkommen!“
Man trat in einen Saal, der vom Geschmack und Reichthum des Besitzers zeugte.
Die Wände waren Spiegel, und jede Wand, wie ein einziger Guß, ohne Reifen und Fugen; oben hingen sich an goldnen Stäben und Ringen Blumenguirlanden, so täuschend, so frisch, als wären sie erst vor einem Augenblick den Beeten geraubt. Ausser den nothwendigsten Meublen erblickte man vier Nischen in den vier Wänden; in jeder einen Marmoraltar, worauf sich paarweise Gobby’s Penaten befanden — Bronzebüsten. Ein Sokrates- und Christuskopf standen vertraulich beisammen, ein Aristoteles und Kant, ein Friedrich der Große und ein Unbekannter, ein Rousseau und ein Unbekannter.
Es war schon mehrere Gesellschaft gegenwärtig; man mischte sich freundlich durch einander und sprach von diesem und jenen — Gobby aber entfernte sich mit dem Commendanten.
Am meisten unterhielt eine Note des verstorbnen Kaisers an seine Unterthanen, welche wenige Monate vor seinem Tode ans Licht getreten war. Man debattirte lange darüber, und schien sich nicht vereinigen zu können, ob der Kaiser billig gedacht habe, oder nicht. Florentin mischte sich in die kleine Fehde, und, um richtig zu urtheilen, las man ihm die Note vor:
„Da die vorliegenden nördlichen Provinzen durch den langen Krieg fast gänzlich verwüstet sind, und ich, ohne Noth, Euch durch keine Auflagen drücken wollte, um den Flor jener Provinzen wieder herzustellen: so entschlos ich mich, die kostbaren Feierlichkeiten, Opern, Feuerwerke und dergleichen an meinem Hofe einzustellen, auch die Gehalte der Prinzen und Prinzessinnen um die Hälfte zu verringern, bis die verwüsteten Dörfer und Städte wieder erbauet und die verarmten Familien gerettet seyn werden. Es war dies von meiner Seite ein freiwilliger Beitrag zur Linderung der allgemeinen Noth — Aber daß man mich wegen meiner erfüllten Pflicht so unaufhörlich mit öffentlichen Lobreden und Lobgedichten heimsucht, find’ ich von meinen Unterthanen nicht schön, weil damit nichts gesagt zu seyn scheint, als: es ist sehr ungewöhnlich, daß Fürsten auch Menschenpflichten erfüllen! — Wie viel Elogen und Hymnen hätt’ ich auf diejenigen von meinen Unterthanen zu verfertigen, die so viel nach Verhältniß ihrer Kräfte thaten, als ich?“ —
„Nun sagen Sie Ihre Meinung!“ rief man, nach Durchlesung der Note, dem bestürzten Florentin zu.