„Ist es nicht hart, wenn der Vater seiner Kinder Dank nicht hören will?“ riefen einige.
„Ist es nicht billig und vernünftig vom Kaiser?“ schrie die Gegenfaction.
Florentin las das Blatt noch einmal und wollte seinen Augen nicht trauen. „Meine Herrn und Damen,“ sagte, er endlich: „ich muß gestehn, solche Denkart eines Fürsten, solche Aeusserung des feinsten moralischen Gefühls ist nur allein dem drei und zwanzigsten Jahrhundert eigen.“
„Dies Urtheil konnt’ ich voraussehn!“ sagte Rosalia lachend: „der Herr wird uns so gleich mit einen Beispiel vom Gegentheil aus der Vorwelt aufwarten.“
„Mit mehr, als einem!“ erwiederte Duur: „ich erstaune izt weder über die Billigkeit noch Härte des kaiserlichen Wunsches, sondern darüber, daß Sie noch getheilte Meinungen hegen können.“
„Bravo!“ rief eine Parthei.
„Welch ein edler Ton herrscht in der Sprache. Schon daß er von allen Curialwust abläßt, und seine Person mit dem simpeln Ich bezeichnet, schildert den Kaiser“ — — —
Ein verworrnes Gelächter unterbrach ihn. „Wie soll er denn von sich anders reden?“
„Es wird Ihnen bekannt seyn, daß sonst große und kleine Fürsten nie anders ihre Vielheit bezeichneten, als durch ein großes Wir.“
„O!“ rief einer aus der Gesellschaft lachend: „das war in dem finstern Zeitalter guter Ton, als die Fürsten noch böse wurden, wenn man sie nicht die allergnädigsten, großmächtigsten, unüberwindlichsten nannte. Seitdem aber diese unüberwindlichsten Herrn mehr als einmal überwunden wurden, und die allergnädigsten sich mehr als einmal sehr ungnädig fanden: waren sie selbst so billig, ihre Titel in mildere zu verwandeln, um die Suppliken der Unterthanen für keine Satyre zu halten.“