„Erlauben Sie,“ fiel dem Redner ein andrer ins Wort: „ich weiß nicht, ob die itzigen Titel: — unser guter, menschenfreundlicher König, oder Kaiser, oder Fürst und Herr — nicht weit schmeichelnder sind, als die vorzeiten gebräuchlichen, welche man noch in alten Chroniken und Urkundensammlungen findet: denn unsre bestimmen den fürstlichen Charakter sehr deutlich, zwar nicht immer als das, was er ist, sondern als das, was er eigentlich seyn sollte; allein die alten waren oft ganz unverständlich, wobei sich weder der Unterthan, welcher sie schrieb, noch der Fürst, welcher sie las, etwas denken konnte — zum Beispiel, wenn es hieß: allerdurchlauchtigster — — —“
„Dagegen bemerk ich“ erwiederte der Gegner: „daß es die Alten verstanden, aber wir freilich nicht, da unsre Sprache sich unterdessen sehr verändert hat.“
„Ich bitte um Verzeihung, daß ich Ihnen widersprechen muß,“ entgegnete Duur: „auch die Alten wußten von solchen Ausdrücken keinen Sinn — schon im achtzehnten Jahrhundert nicht.“
„Und dieser Herr“ rief Rosalia, indem sie muthwillig auf Florentinen deutete: „hat Autorität; er ist in der Vorwelt zu Hause, wie bei uns.“
„Ich geb es zu,“ antwortete der Widerlegte: „allein dann wär es ja wunderlich gewesen von unsern Ur-Großvätern, wenn sie sich Redensarten bedient hätten, welche weder die verstanden, so sie gaben, noch die, welche sie nahmen?“
„Was erwiedern Sie darauf, lieber Professor?“ fragte Rosalia?
Duur wischte sich leise über die Stirn.
Neuntes Kapitel.
Der Kupferstich.
„Eine Rarität, meine Herrn!“ rief der edle Gobby, welcher mit einem Quartanten unterm Arm in Gesellschaft des alten Silberot hereintrat.
Neugierig wandte sich jedes Auge auf den achtungswürdigen Mann hin, von welchem man, selbst wenn er scherzte, nichts ganz Gewöhnliches zu hoffen hatte. Die Versammlung schloß einen Kreis um ihn.