Josselin. Eine gute Unterhaltung beim Frühstück. Der Commendant Silberot, selbst ein Schwarzer, war der erste, welcher Deine Erscheinung dem Orden bekannt machte, die anfangs wenig Glauben fand. Dein Bedienter, der Gondler Matthias, verrieth dem Commendanten Holders Aufenthalt und Verhältnisse; auch dies erfuhr der Bund, und es wurde sogleich eine Gesandschaft und Einladung an Holdern abgeschickt. Dein Abentheuer im Walde mit der schönen Nichte des Grafen von Gabonne kam auf eben diese Weise zu unsrer Kenntniß. Gobby, ein vertrauter Freund desselben, meldete ihm die Erscheinung eines Mannes aus dem achtzehnten Jahrhundert, bat ihn mit Imada zu sich, und alles ging nach Wunsch. Gabonne, Imada und Holder kamen; die Versammlung der schwarzen Brüder ward berufen und ich gab Dir den Schlaftrunk, der Dich zwei Stunden ums Bewußtseyn brachte. — Man hatte es einmal beschlossen, Dich mit Wundern zu überraschen, folglich gehorcht’ ich.
Florentin. Und Holder ward nicht in die Zaubereien verwickelt?
Josselin. Nein; er hat drei Tage mit den Obern der schwarzen Brüder conferirt; gestern eilte auch Gobby und die andre Gesellschaft zu ihm. Ich hab’ ihn diese Nacht gesprochen. Es ist ein äusserst intressanter Mann. — Bruder, ich reise mit Dir nach Idallas Insel — ich will meine übrigen Tage bei Euch verträumen in einer himmlischen Zufriedenheit.
Florentin. Nun wird mirs schon licht! wohin bin ich in dieser Nacht gebracht worden?
Josselin. Eine halbe Meile von hier, auf das Landgut eines Edeln, und Obern. Du schliefst in seinem Doppelzimmer, bei dessen Verwandlung Dir Imada zugeführt ward, welche überhaupt Deine Feindin nicht zu seyn scheint.
Florentin. Doppelzimmer? — Du mußt mich immer, als ein Kind betrachten, welches unwissend und neugierig vor allen Kleinigkeiten stehn bleibt. Was nennst Du ein Doppelzimmer?
Josselin. Wahrhaftig, ich hätt’ es nie geglaubt; dermaleinst noch der Lehrer eines canellesischen Revolutionairs zu werden. — Sieh nur, die Landhäuser unsrer Vornehmen werden so gebaut, daß die eine Fassade der Flügel, welche immer im Durchschnitt nur ein Zimmer breit sind, gen Morgen, die andre gen Abend sieht. Gegen Morgen und Abend sind Fenster. Die Wände sind mit Tapeten bekleidet, welche mit leichter Mühe aufgerollt werden. Daher kann man nun aus einem Zimmer gleichsam zwei machen; das Morgenzimmer hat Fenstern nach Osten, das Abendzimmer Fenstern nach Westen. So wie man an einem Tage oft gern verschiedne Kleider trägt, so kann man sich auch in ganz verschiednen Zimmern befinden, ohne einen Fuß von der Stelle zu rühren.
Florentin. Eine mir ganz neue Art des Luxus!
Josselin. Imada führte Dich in den grossen Saal der Brüderloge, wo Dir nun nichts Unbegreifliches gewesen seyn wird. Ich trank mit Dir zugleich einen kleinen Schlaftrunk und wurde bei Sonnenuntergang mit Dir hiehergeschafft.
Florentin. Die Räthsel waren kurz und bündig gelöst.