Jeder Raum, geschlossen durch die Synthesis von Einordnung und Eigenleben der Dinge, wirkte als ein Monolith. Kein Gegenstand griff, optisch zudringlich, hinüber in das Gebiet der Bewohner, und die Reizfülle, die Anmut, mit der das Leblose im Dienen ganz sich darbot, verlieh ihm etwas Genienhaftes, wie aus Märchen her. Dinge, die ihren Herrn erraten — weiser sich benehmen, als er in seinem Alltag, sind sie doch Geisteskinder seiner höchsten Stunde; aus Phantastisch-Schöpferischem und dem Regulativ technischer Klarheit in wägendem Gefühl ans Licht getrieben. Wissen um die Struktur, um das Geheim- und Kristalleben der Materie; Marmoräderung, Holzflader, Reflex oder Biegsamkeit der Erze und Erden: dieser Komplex von Geist-Zucht-Wissen-Können ...; die Gleichung all dieses: ein Torsturz — eine Fensterbank — ein Leuchtkörper.
Etwas vom Stil der Atriden.
Von der mächtigen bronzenen Milde Chinas auch.
Doch wiedergekehrt aus den Jahrtausenden in Abgeschliffenheit, Vertiefung, Beseeltheit und Präzision. Wie hindurchgegangen durch das Wesen der Newton, Lagrange, Helmholtz und Poncelet. Wiedergeboren aus einem höchst geistigen Äther: aus der gleichen Mühsal, Tapferkeit und Kraft, die den Bug einer Jacht, Kurve des Klüvers, der Wanten, einer Helice — Nieten am Dampfkessel — Drill des Rohres herausgeschliffen aus dem Amorphen.
Ähnlich all diesem. Artverwandt. Mit dem geschwisterlichen Zug jener Elite der Dinge, deren Mutter die Echtheit ist.
Atridenstil an Glätte, Fugenlosigkeit und Größe. Ihm unendlich überlegen an Problemstellung — Lösung — Erfüllung — auch an später Einfachheit, die letzte Verwöhntheit ist.
Horus genoß diesen idealen Wohnleib und die Continuität seiner Stimmung von je wie das vertraute Gefüge eigner Glieder: natürlich und leicht erregt zugleich. Doch schien ihm vollkommene Gestaltung eines Wohnleibes zu den von selbst verständlichen Formen abendländischer Lebenshaltung zu gehören. In Struktur und Bestandteilen zum mindesten ebenso herübergesandt vom Genius der weißen Rasse wie reine Typen edler Mechanik: Werkzeug, Maschine, Instrument.
„Der Bau“. — Immer wieder war das Wort aufgestiegen dort im ganz Frühen, wo das Ich noch nicht recht zusammenhängt. Kein lückenloses Geschehen bleibt. Immer nur einzelnes aus dem Vagen ragt: eine rosa Torte — ein Klang, groß wie die Welt — das Gesicht der Katze als furchtbarer Magnet.
Zwischendurch aber war immer das Wort „Bau“ gewesen. Im Bungalow Tische, auf Reißbretter gespannt knisternde Bögen, groß wie Leinentücher, Mama mit wunderbar eckig-graden Geräten dran herabstreifend. Lärm, Leute, Lasten. Zu Wagen, zu Schiff. Dann geht man fort aus dem Bungalow in ein Großes, Lichtes, Liebes. Der „Bau“, was immer er gewesen sein mag, ist plötzlich weg, das Wort erloschen. Erst viel später weiß man langsam irgendwie, das Große, Lichte, Liebe sei eben der verschwundene „Bau“.
Vieles kam wohl erst später hinzu. Hing mit günstigen Kopra- und Teeernten, oder steigendem Ertrag der Graphitminen zusammen: so der Riesenrefraktor für Erasmus van Roy, das Laboratorium, der Instrumentensaal. Vielleicht waren noch Räume unvollendet. Er kannte nicht alle, hatte viele freiwillig nie betreten, wie manche Gemächer der Meditation. Denn jedem Bewohner des Hauses, auch ihm, auch Gargi seinem Liebesgespiel, war, östlicher Sitte gemäß, ein Raum zu eigen, den niemand als nur er betrat. Mit seinen Strahlen ganz erfüllt, lebendig von dem Fluidum seiner tiefsten Stunde: dem „kef“ des Orientalen.