Vorn der kleine Leitjude kniff sich eilig einen zweiten Zwicker auf, reckte feixend den Hals, um besser sehen zu können.
Eine Megäre heulte wehleidig auf: „A soa Kanalli.“ Sie hatte sich an der Hutnadel ihres Opfers geritzt.
„Volksgericht ... Volksgericht,“ das ausrangierte Schachrössel zerriß sich fast in der Luft, doch keiner scherte sich drum. Eine Blase grüner Gier, schwoll die Pöbelgeile über ihrem Opfer, immer höher aufgetrieben von den fanatisierenden Sprüngen des slawischen Nasenbohrers.
Auf einmal stach ein Polizeipfiff die Blase an, feig und flach fiel sie zu einer Linse zusammen, gerann immer dünner, bis das Straßenpflaster aus ihr aufstieg, in dem ganz allein, in Qual und namenloser Scham, sich die gemobte Frau mit grellentblößtem Unterkörper wand.
Außer ihr fand die Wache eigentlich niemanden mehr zum Verhaften vor. Zwei Polizisten führten die Halbohnmächtige ab, ein Dritter bückte sich nach dem Hosenrock. Mit strenger Hand hielt er das „Ärgernis“ in sittlichem Ekel weithin von sich ab. Wies es anklagend rundum, begann plötzlich zu gluren, zu grinsen, und alle rings im Kreise grinsten mit. Man schlug sich auf die Schenkel vor Vergnügen.
Das war ja gar kein Hosenrock.
Auf die entleerte Straße schlich es sich jetzt hinter einem Häuserblock schlacksig heran, alle Körperknochen eckig unter die engen Augen gehäuft: der Hetzhund des Haufens warf sich platt nieder, windelweich auf einmal. Begann das glitschige Frauenblut aus dem Straßenschmutz zu saugen, umarmte das Pflaster, quetschte seine Seele wie einen verschnapsten Schwamm über den Brei aus Blut und Kot, in greinendem Gefasel, menschheitsduselnd aus.
Da stieß ihm Horus Elcho in sternblanker Wut den Fuß ins Rückgrat:
„Auf — Schwein — aufhören mit dem sentimentalen Dreck.“
„Bruderherz,“ harnte es flennend naß von unten herauf — „laß dich umarmen, Bruderherz, wir sind ja alle gleich, mein Seelchen, — alle, alle gleiche Menschen.“