Zur Stunde der Krähe, Tau im Haar, waren sie heimgekehrt. In wonniger Ermattung entschlummert, hoch oben auf der Terrasse aus rosigem Granit.
Inmitten der Nacht tauchte Horus aus dem Tiefschlaf. Heiß vor Wirklichkeit, ganz glücklich, wach zu sein — da zu sein.
War auch Gargi wach? Trunken taumelte sein Gesicht dem ihren zu. Vor dem Lichtjubel seiner Seele kreisten die riesigen Opale ihrer Augen, deren Wimpern wagrecht in die Schläfen schnitten, dem kindlichen Haupt etwas Durchleuchtetes gaben.
Sie erhoben sich vom weiten Lager, schritten — zu einem Wesen geschlossen — bis an die Brüstung, die das Halbrund der offenen Schlafterrasse umlief.
Dem Garten enthoben sich die Farben der Nacht. Über Blüten und Wegen stand strahlende Materie der Finsternis. Griffen tastend in Blumen, lehnten sich weit hinaus in den veilchenhaften Samt des oberen Abgrunds, aus dem Gestirne gehangen kamen, groß, frei schwebend: Kitalphar — Archanar — die Beteigeuze. Der Raum sog die Seelen an. Es war so schön, daß man nicht denken konnte — kaum fühlen — nur schauen.
Ihre Hände öffneten sich dem Astralschein: magnetischem Puls kosmischer Zentren. Die schlanken Finger streckten sich — Antennen — feinste Sender und Empfänger dem Äther und seinen namenlosen, unirdischen, alles lenkenden Wirbeln entgegen.
Fern aus dem Dschungl kamen, in Pausen, die Weltlaute reißender Liebe; schwimmend in einer Stummheit: Gepfauche auf Tatzen der Unrast — Brautgebrüll — Zischen — aus dem Ganz-schwarzen ein Blutschrei, kühn wie die Not.
Mitten inne zwischen Dschungl und Sternen stand, in machtvollem Aufriß, ruhend in seinen klaren Achsen, mit Toren aus lichtem Erz — das Haus der Elchos: Kristallform eines höheren Lebens.
Freiheit der Wildnis stieg an ihm auf mit tausend grünen Adern, zerbarst in Kelche, ward oben Duft am reinen Raum aus Zucht und Zartheit: dem kindlichen Ehegemach in rosigem Granit, dessen Kuppel wie der Sektor einer Sternwarte sich auftat in die bodenlos selbstblühenden Sterne.
Diana Elcho hatte an Gargis durchscheinendem Körperchen seit dem Frühlingslauf zur „Höhle der weißen Träume“ neue, heißere Male entdeckt: „die getigerte Wolke“ — „das Korallenband“ — „zackichte Krone“ — „Perlmuschel“ geheißen, in Indiens lächelnder und gönnender Sprache, die erlesene Liebkosungen in heiligen Schriften vermerkt.