Ohne Wort, ohne indiskrete Miene, wie von selbst und ganz einfach stellte sich alles auf die hohe Zeit der beiden Kinder ein. Frei von gierendem Wohlwollen. Auch das Haus: der Raumkristall wandte ihnen eine neue Facette zu.

Sie hatten bisher nicht alle Räume gekannt. Außer dem Halbrund aus rosigem Granit standen ihnen jetzt drei Schlafgemächer offen. Zwei einsame: licht, frei, glatt, — fast leer. In der Mitte ein Gemeinsames, das ohne Fenster war; eckenlos zu einer Ellipse geschlossen. Ozonisierte und durchduftete Luft erneuerte sich unmerklich in ihm. Es war nichts als ein immenses, hingebreitetes Pfühl — nur verschieden überhöht und durchtieft.

Linde Kurven aus dunkelglühenden Samten, schräge Lichter und Spiegel, da und dort, klarer wie Tag, eine Pore im Kelch der Liane rügend, oder mit einem Griff zu opalisierenden Nebeln verschleierbar — warteten. In Andacht. Ganz der Nacktheit und ihren Festen geweiht.

Denn Erotik des Auges: die feinste, holdeste, ist die verletzlichste auch. Immer echt unter Gräsern und Sternen: im zartweiten Nebel von Leben als Liebesumschlingung sein geballterer Kern.

Doch im Alltagsraum: Schon an der schutzlosen Haut beginnt die Fremde. Kein sinnlicher Zauberkreis hält da dicht. Kalt schaut ein Fenster zu. Möbel leiern hölzerne Litaneien taktlos weiter:

„Wasch dich,“ — „setz dich.“

Halbwesen, Unwägbare, tasten sich liebeleer herein in einen tiefen Schauder, verzerren ein leidenschaftlich in sich Geschlossenes zu ungewollter Exhibition. Daß im Liebesraum kein Ding, von Alltagstun noch trächtig — niederträchtig, die hohe Tugend der Wollust beflecke, hat das Fundament aller menschlichen Lebenshaltung zu sein.

Vom Kopf bis zu den Füßen in die „fließenden Wasser von Bengalen“ eingehüllt, betraten sie die samtne Tiefe, und die berühmten Musseline zitterten als plissierter Nebel um ihre Körper und um die Füße als lockiger Schaum. Fließen die „Wasser von Bengalen“ über ein schlagendes Herz, Beben einer Schulter, alles was pulst, verborgen schauert, nehmen sie da und tragen es herauf an den Schimmer ihrer Oberfläche. Wie im geheimnisvollen, hellen Bad, beim roten Schein der Dunkelkammer, ein Bild aus blinder Platte gehoben wird und sichtbar. Ganz scheu steht es dann — rührend und groß auf einmal.

Auch alle Liebesspiele kannte das Gewand und spielte mit. Warf seidne Arme um den Hals bei stürmischem Nahen, floh weich in die Senkung einer Achsel, wehte dann wieder als Flügel dahin, listig mit entwendetem Duft beladen. Endlich gab es sich besiegt, hing vielleicht noch schmal an einem Knie, fiel auf einmal wie Asche in sich zusammen und war überhaupt nicht mehr der Rede wert. Die befreiten klaren Körper: Frühlingsäste im japanisch Leeren aber nahm der ganze Raum voll Inbrunst in seine samtnen Arme. Selbst das weite, gönnende Hochzeitsgewand.

In ihm meißelten sie ihre eignen Statuen unter dem anklingenden Rhythmus der großen Gewalt.