Sie saßen in tiefen Stühlen, unterm Mond, auf der Terrasse seines alten Landhauses.
Die Ruhe ihrer Posen trog. Ruhe gab’s nicht bei ihm. Zeitvergeudung! Zirkus im Hirn war angesagt.
Im roten Frack festlicher Hatz stand er: Kenner, Liebhaber, Käufer, Dompteur, Publikum: alles in Einem. Ohne Peitsche, nur auf Zungenschlag ließ er sie getürmte Hürden nehmen, höher — höher, oder, indes billiger Erdenlärm schwieg, oben im Raum durch Trapeze stürzen und schwingen.
Seine stolze Wut nach Probe ihres Wissens, Erfassens, Durchdringens, Beherrschens, war ohne Maß. Nichts von Literatur, Kunst, Musik: dem Weiberschwatz. Er preßte sie ins Letzte, Ernsteste vor, drehte dann zäh wieder zurück ins Detail, verlangte einen Griff voll Fachwissen hier, einen dort. Genoß dabei das Luftgebäude ihres Tons in An- und Abklang, das Unsägliche am gepflegten Menschen, das um seine Worte ist. Erschöpft endlich vom bloßen Prüfen, Fragen, Hören, Folgen, fiel seine Gier die bessere Beute an, die langerlechzte. Bot ihr Champagner — er selbst, aus Angst um seine prachtvolle Konstitution, trank nie — doch am Andern schätzte er die rosenhafte Steigerung im Weine, und über alles den Griff der Grazie um den Kelch.
Sein zahmes Eichkätzchen, aus dem Schlaf geschreckt, hopste hinten auf den Stuhl, lief über Sibyl herab und nestelte in ihrem miederlosen Schoß; angenehm erstaunt. Sie bog das Bein ein wenig, legte eine Nuß aufs Knie, hob die schlanken Arme wie schneeige Äste, Früchte in den Fingerzweigen. Auf und ab, über sie hin schoß das fuchsrote Büschel den schwarzen Seidenstamm hinauf, entlang die nackten, schmelzend weißen Zweige und wieder zum Schoß zurück.
„Bist du am Ende Ratatöskr?“ frug sie den Kleinen, „der von der Weltesche? Ist das wahr, daß du, dasselbe Wesen, oben Gutes, unten Böses sagst?“ Es spitzte pfiffig das winzige Gesicht, lief an ihr, die aufstand, empor, und hinüber auf den Arm des Mannes, der sich ihm entgegenwarf.
Sein Schweif fegte ihre Haut zusammen.
Sie standen überschwemmt von ihrem Blut. Dann küßten seine Fingerspitzen sich, in streichelnden Bändern ganz langsam ihre Arme entlang, zu den Flügelschultern hin. Verweilten auf kleinen Inseln der Lust, umspielten die zwei winzigen Glockenblüten, die Brüste, rannen die Wege des Eichhorns entlang.
Sie stand nackt unter der zergehenden Seide.
Die Endchen der freien Rippen zwischen den Fingern, bog er in die glatte Sichel der Weichen ein. Da wurden beide Hände flach, bedeckten in einem rasenden Genießen den ganzen schleierschmalen Leib. Er stürzte in die Knie. Da lag der ersehnte dunkle Kopf endlich zum Greifen nah vor ihr. Sie hielt die Hände darüber, wagte nicht, ihn zu berühren, als ob er Flamme wäre. Trank seinen Nardenduft, vor Erregung fast besinnungslos. Und wieder flossen die küssenden Bänder seiner Finger, diesmal von den Fersenspitzen weise aufwärts, die edellangen, seidenschwarzen zitternden Beine in den Silberschuhen hinauf.