Da ihnen die letzte Erlösung versagt war, übertrieben sie die periphere Lust. Glitt er nach endlos verküßten Nächten aus ihren Gliedern auf, stand ihm, dem Mann — ganz Rom — Paris — Venedig zur Erfüllung frei. Sie: die Dame, lag da, mit hilflos aufgewühlten Adern ohne Frieden, ohne Schlaf — nur Arbeit noch vor sich. Da warteten Werke seines engsten Faches neben dem Bett. Sie griff danach. Nichts gab es zwischen Himmel und Erde, über das er nicht plötzlich mit ihr zu sprechen begehrt. Dann schrak sie auf zum Morgenritt mit ihm, zu Dauerläufen durch Ausstellungen, Museen. Tage preßte er in Stunden — klagte: wir haben Jahre versäumt. Sein schnellstes Tempo ging er neben ihr: zur Probe, denn über alles beglückte ihn, was er die höherwesige Anmut ihres Ganges nannte, und dies auf Erden unbekannte Gleiten im kleinsten Schritt. Schlief er bei Tag, hieß es: sich umkleiden von Kopf zu Fuß, nach dem sechsfältigen Fächer täglicher Mondänität die Linien wechseln.

Als Physiologe studierte er den auserlesenen Organismus seiner Dame stolz, wie wenig Nahrung sie bedürfe — welch guter Motor sie sei —, wollte die Grenzen ergründen. Sie wußte kaum mehr, wie sie leben sollte.

Seine Gier, sie auszukosten, war ohne Maß.

Man trennte sich am Bahnhof. Nach letztem Abschied sank die Zerliebte tief erschöpft in ihr Kupee. Endlich Frieden, seliges Nachgenießen ohne getürmten Anspruch, Qual der Hast. Da ging die Tür. Heimlich war er mitgefahren, stand stürmisch, in Erwartung einer Freude — die nicht kam, in ihr erblaßtes Gesicht. Ein Augenblick Verstimmung nur, dann flog die echte Sonnigkeit drin auf.

Er scherzte:

„Du bist mich noch nicht los.“

Um seine Miene aber lag gekränkte Männcheneitelkeit. Dann aber war’s ihm wieder recht, erhöhte irgendwie den Wert der eigenen Glut und paßte in das Liebesspiel der beiden.

Sie spielten Faun und weiße Prinzessin, Pan, der die Pranken um den Mondstrahl schlägt. Er wollte jenen Schmelz an ihr aus Eis und Honig, und daß es mit dem Eis begänne. So überflog er seinen eigenen Brand, blieb alleiniger Herr des Feuers. Ihre Wärme, ihre Liebe aber neckte er hinweg:

„Du wirst doch nicht etwa ein Herz — so ein ganz gemeines irdisches Herz vortäuschen wollen, das, womit wir Menschen lieben. Auf den Mangel dieses Organs habe ich immer das entzückende Untergewicht meiner großen Fee geschoben.“

Er korrespondierte mit ihren Füßen, mit jedem Glied.