Es sei um der Besitzungen bei Genua willen. Eben böte sich Gelegenheit, den Grund aufs Wertvollste zu arrondieren. Dann wäre man auf viele Kilometer im Umkreis für alle Zeit gesichert vor Fabriken, Lärm und Unflat. Doch müsse Ralph ihretwegen jetzt seine flüssigen Mittel für den neuen Bau bereit halten. Sibyl ließ sich die Summe nennen, bot sie ihm — war es doch für ihr künftiges Heim — diskret, fast en passant, als Darlehen an. Er brauste auf. Nach gutem Zureden ging es aber dann doch. Solche Gelegenheit kam ja nicht wieder. Er trug ihr einen Schuldschein an, die ganze Summe nach zehn Jahren rückzahlbar, die Zinsen zu jedem Quartal fällig.
Sie setzten es zusammen auf und lachten sehr.
Es ergab sich, daß der Millionärssohn in diesen Dingen ein weltabgeschiedener Gelehrter war, und gestand das auch freimütig zu. Da ihn dergleichen ekle, regle stets der Prokurist des Hauses Herschsohn alles Geldliche für ihn. Und so vergaß er denn auch richtig das mit den Zinsen hineinzunehmen. Sie mochte ihn nicht mahnen. War es nicht gleich? Die Flüssigmachung der Summe gelang nicht ganz leicht. Sie mußte Effekten ungünstig verkaufen, andere belehnen lassen, denn er brauchte die Summe gleich.
Rührend, wie chronisch er wieder sparte, an kleinsten Dingen, der große Herr, der Forscher und Ästhet, als wären sie von Belang. In Venedig hatte er mit dem Gondolier um eine halbe Lira einen Auftritt. Mitten im Kreis der Gaffer ließ er seine Dame stehen. In einer Wallung Zorn, Verachtung fast, griff sie bereits zur Tasche, dem Schiffer ein Geldstück hinzuwerfen und ihres Wegs zu ziehen. Da schoß ihr die Scham ins Gesicht.
„Es ist für mich — für unser Heim.“
Und wartete geduldig im Kreis der Gaffer, bis Fahrgast und Führer sich auf fünf Soldi geeint.
Endlich kam der letzte Verhandlungstag. Die Erniedrigung schien ausgelitten. Sibyl atmete schon auf, da stand plötzlich wieder ein neuer Jude da und sagte, er sei Ehebandsvertreter und von Staats wegen bestellt, auf alle Fälle dagegen zu sein. Nichts war ihm recht, nichts ließ er gelten. An „unüberwindliche Abneigung“ glaubte er so wenig, wie an böswilliges Verlassen. Riet im Gegenteil den anwesenden Parteien dringend zu neuerlichem Geschlechtsverkehr, von dem er sich viel erhoffe. Während sein eingespeicheltes Wohlwollen bewies, wie doch selbst so gewissenhaft geführte Verhandlungen gar nichts Trennendes zutage gefördert, das zu einer Scheidung berechtige, streifte Sibyl ganz langsam den Handschuh ab, betrachtete, Tiefes sinnend, die kleine Narbe am Gelenk, sah dem Ehebandsvertreter dann plötzlich mit solcher Kraft des Hohnes in den Mund, daß er zwar noch alberner wurde, von den dösenden Richtern jedoch nur ein Probejahr verlangte, statt zwei. Es nützte ihm aber nichts. Die Ehe wurde getrennt.
Also frei. Sie dankte ihrem Anwalt, sprach ihm, zum ersten Mal, von neuer Bindung.
„Ausgeschlossen,“ sagte der Alte — „erst in sechs Monaten — als Frau. Nur der Mann kann sofort wieder heiraten.“
Da verlor sie zum ersten Mal den Mut, stammelte: