Und nun begann das Pendel langsam zurückzuschwingen aus dem höchsten Haß. Sie litt so sehr, daß sie nach ihrem eigenen Unrecht suchte.
Zwei, drei, vier Stimmen erhoben eine bebende Litanei: rechtfertigend, beschwörend, ringend, hadernd:
„Du Philosophin, du neunmal Weise. Es wird ein Mensch doch nicht plötzlich zur Bestie, zum Verbrecher?“
„Nein, denn er war es stets, läßt nur die Maske fallen, sobald nichts mehr herauszuschinden ist.“
„Bedenke, er war Erpressungen ausgesetzt. Verfolgungswahn, nichts weiter. Er ist krank. Kann man nicht auch einen Kranken sehr lieb haben?“
„Krank? Ein recht gesunder Wucherer. Selbst aus Erpressungen, an ihm begangen, versteht er es noch Vorteile zu ziehen, markiert Verfolgungswahn, um seinen einfachsten Verpflichtungen heuchlerisch sich zu entziehen.“
„Und weiß nicht jede Pore deiner Haut von Liebe, wie sie nur im Märchen vorkommt?“
„Ja, solang’ es nur Vergnügen war. Zu einem Tee im Ritz reicht die Liebe, falls die Dame ihren beau jour hat und — den Tee bezahlt.“
„Weißt du denn wirklich, was er wollte in dieser schrecklichen Nacht? Hast du dich verhört am Ende? Warum nicht in Ruhe und Geduld den Kontrakt bei Tag noch einmal prüfen?“
„Aufs Nichtprüfen war es ja angelegt. Selbst um den ehrlichen Heiratsschwindel hat er sich noch herumzuschwindeln gewußt. Ist es nicht gerade meine Qualität, nicht pfiffig zu sein? Klugheit zu verachten? Oft genug schlich er sich mit Nachschlüsseln der Konversation in mein Innerstes ein, um das zu wissen.“