Nein, diesen Triumph befriedigter Eitelkeit sollte er nicht haben.

Ballten sich in ihr die kleinen Gliedmaßen und schlugen nach oben aus, gegen das Herz, begann sie zu rennen. Ins Freie. Hielt das Bewußtsein mit aller Kraft noch auf Armeslänge von sich ab. Stetig umkreiste es sie in unsichtbaren Sprüngen nach ihrer Kehle. Sie zählte krampfhaft, immer noch bis zehn, und dann noch bis fünf, um es wegzuhalten. Plötzlich, ein Moment inneren Erlahmens: da sprang es ihr an die Gurgel. Sie spürte den stinkenden Hyänenatem der Schmach. Ihre Wirbel zitterten vor Wut.

Im Gral ihres Wesens kreißte also die Jauche eines Wucherers. Was Niggergier in sie hineingespien durch Vertrauensmißbrauch ohnegleichen, sollte sich Leben ermästen dürfen durch sie.

Mutterinstinkt! Über nichts wurde wohl so ausdauernd, feig, schamlos gelogen, und gar von niemandem so heuchlerisch, wie vom Mann.

Das könnte ihm gefallen, den viehischen Bruttrieb als „heilige Pflicht“ ausplärren: als weibliche „ Natur.“

In der Natur kann eine Löwin ihre Jungen auffressen oder liegen lassen, ohne daß die Vormundschaftsbehörde sich einmischt, sie vor die Wahl Ächtung oder Zuchthaus stellt. Das ist Natur: frei sein, zu gebären, frei das Geborene zu vernichten.

Wie, jeder Instinkt sollte sich veredeln, erhöhen dürfen, und nur die Schwangere wahllos, bestialisch bleiben müssen? Wahlloser Muttertrieb so verächtlich wie wahlloser Geschlechtstrieb! Wie aber könnte die Ärmste echt von falsch erkennen, ehe sie den Mann „erkannt“. Da erst fällt die Maske. Erst da weiß sie, was sie empfängt.

Das Gesetz. „Wer sich Infamem beugt, wird selbst infam.“ Nein, dies Kind würde sterben, ausgestoßen werden — reuelos, sie selbst aber leben, jetzt gerade.

Und dann schlug sie das Gesicht in die Hände und hoffte, daß ihr das Herz bräche.

Wie sie crude geworden war. Wie sie sich verrohen fühlte in dieser Hölle. Wo war die Zartheit, wo die Scheu? Wo das reine und kühne junge Wesen, dem selbst im Straßenschmutz der Saum des Schuhs noch ohne Makel blieb? Das Ärgste am Unglück war nicht, daß es unglücklich, daß es so schamlos machte.