Der Tod schmolz ab, doch sie grub sich mit allen Fingern in ihn ein, wollte nicht mehr weg aus dem linden Schwarz.
„Genug“ war ihr erstes Wort. Dann brachen, angesogen von einer tiefen Wonne um sie her, die Lider auf. Über ihrem Gesicht schwebten zwei wagrechte Augen aus unbegreiflich sanftem Samt, deren Wimpern flügelhaft bis in die Schläfen schnitten.
„Wie gut“ und die Zurückgeholte ließ sich von nun an leben, ohne Widerstand.
Zwei Augenpaare waren es, die abwechselnd über ihr kreisten: wie große, fremde Vögel und bebrüteten ihr Herz.
War es der Ort, wo man die unerfüllten Wünsche lebte? In scheuer und tiefer Vertraulichkeit legte sie eines Tages um jeden einen Arm: als Durklang gefügt in die reine Quint der beiden. Wußte ihre Namen nicht, nichts — frug nicht einmal, wie es gekommen, wie ihre Spur verfolgt, wie sie gefunden worden war. Lag hier selig und vollendet eingefügt als kühne Liebesstufe zwischen ihnen: frauenweicher als der Freund — jünglingherber als die Freundin, dies köstlich fremde Damenwesen, am ganzen Körper so vollkommen, wie es der Ringfinger ganz junger Mädchen zuweilen ist.
So einfach, so natürlich schien alles, als hätte sie es immer schon gewußt, daß sie dazugehöre, seit jenem ersten Mal, da, einer ungeheuren Erweiterung der eignen Seele gleich, zwei wundervolle Menschenangesichter durch ihre einzige Sekunde Glück gezogen kamen, als sie den fremden Mann im Schoß gehabt, bis zu der Stunde, die wie Gold, weil der warme Schatten des brüderlichen Gentleman den ihren fand und ehrte. Die Haltung seines Schattens hatte alles offenbart.
Dazwischen aber war ein fremder Mann in ihrem Schoß gewesen: Der Lebenswucherer — der absolute Egoist.
Empörung überbebte in Stürzen der Erinnerung ihr aufgescheuchtes Blut.
„Mein Elf von einem großen Stern“ — Gargis entsetzte Zärtlichkeit umschlang das vor Haß grau gewordene Gesicht.
„Gazellenfee, wie könntest du begreifen, was Unbeschütztsein heißt.“