Sprach die Vogelfee, fielen aus ihrer Kehle Silben als Regen von Pfirsichblütenblättern — jedes mit einem Jaspistropfen beschwert — in Herzen hinein. An sie wandte sich stets der Hausherr, kam die Rede auf Dichter und Philosophen, und mit kleinen flächenhaften Bewegungen, ohne je aus unsichtbarem Rahmen zu treten, begleitete sie dann ihre Worte, den zitronenblassen Kopf ein wenig schief. Wenn aber die heiße Blume vollendet vor jedem in einem Doppeltäßchen stand, jeder, die blaulazurnen Ränder gegen einander verschiebend, aus dem Spalt den ersten Schluck getan, verbeugte sich die Vogelfee dreimal, sank in sich selbst nieder, wie in ein Nest von Seide, und sang.

Ließ dabei überaus vorsichtig von den Libellenflügeln ihrer Nägel zehn Goldhülsen gleiten — barg sie in der Schale von Prasem. Nun erst begann mit geblähter Kehle in ihrem Arm ein dickes braunes Instrument zu singen wie ein Nachtigallenmännchen. Eine Grille — ihr winziger Bambuskäfig hing an einer Scharlachschnur in den Nebel von Teeduft — geigte mit. Überzüchtete Tiere, pagodenhaft hochgestellte Fische mit goldenen Krötengesichtern zogen indeß lange rote Fäden hinter sich durch Wasser, das sich kuglig aus dem Kristall der Schalen bog, mündeten, naiv und weise lasterhaft, irgendwo wieder in den Dienst des Geschlechts.

Menschenhäupter und Träume aber schwebten über den ruhenden Körpern in einer zweiten, verklärten Heimatwolke, gewoben aus dem Arom von Quitten, Opium, Sandelholz und Ingwer.

Immer häufiger baute die Vogelfee ihr Seidennest inmitten des fremden jungen Paares. Als die Zeit der Abreise gekommen war, hatte Li seine Ehe bereits in aller Ruhe gelöst, und Jü-Chuan war, nach Erfüllung der Bräuche, Horus Elchos legitime Nebenfrau geworden. Aus einer weiten Milde her waren nur wenige, wohltuend menschliche Verständigungen zwischen den Beteiligten getauscht worden. Dieser große chinesische Herr war Verschwender in allem Glanz des Menschentums, doch sparsam an überflüssigem Weh.

„Meine Ärmel wären mir nicht mehr getrocknet in meinem Leid, hätte das erhabene Lotosgesicht das südliche Blütenland verlassen ohne Jü-Chuan,“ sagte die Vogelfee zu ihrem neuen Gatten.

Er war erregt in seiner tiefsten Lebensneugierde. Beugte sich gerührt zu der lieblichen Form, die ihm die Essenz des Seltsamen der großen Rasse bieten wollte, — so berauschend fremd von einem Liebeswirbel ihm in den Schoß geflogen kam, mit kleinen Zügen, eingeritzt in die Schale eines Taubeneis, nur mit hellen Wimpern zu bestreicheln.

„Bangt dir nicht, mit einem Fremden so in die Ferne zu gehen, seidnes Wesen? Was weißt du denn von mir?“

Ihr ganzer junger Körper war sanftes Erstaunen. Vor Erstaunen fielen die Schleppen ihrer Ärmel in Trichtern zurück von Vorderarmen: rund und durchsichtig, als wären es Röhrenknöchelchen ganz leichter Vögel.

„Da mein älterer Bruder schön, klug und gebildet ist, wie sollte er da nicht auch gütig, gerecht und vertrauenswürdig sein? — Jü-Chuans Dank —“ sie wurde ernst und bebte ein wenig; dann mit geheimnisvoll wollüstiger Verwöhntheit ohnegleichen:

„Ich will meinen älteren Bruder das ‚Geheimnis des Fußes‘ lehren und meine ältere Schwester ‚das Geheimnis der Blume Lan‘.“