Wer solches weiß, den überwältigt beides nicht, ob er darum, weil er im Leibe war, das Böse getan hat, oder ob er das Gute getan hat.
Ihn brennet nicht, was er getan und nicht getan hat.“
„Wie aber verbreitet sich das Gute in der Welt der Sinne: des Scheins, die doch seiner noch bedarf, haben die Erleuchteten es längst vergessen?“ frug Jü-Chuan.
„Dadurch, daß sie sind. Wie beim Mangobaum, den man der Früchte wegen pflanzt, Schatten und Wohlgeruch daneben herauskommen, so kommen bei Entfaltung der Seele die nützlichen Zwecke in der Körperwelt daneben heraus.“
Die jungen Frauen hatten die Bibliothek verlassen. Horus zögerte noch. Ihn drängte, ein paar Bücher an ihren Ort zurückzustellen. Wie barbarisch abgehackte kleine Glieder kamen sie ihm vor, so quer und verloren hingestreut, und der lebendige Leib der Wand verstümmelt ohne sie.
Wie er so lieb mit ihnen hantierte, über das Korn des Leders, die braunen Rücken, gewölbt vor Klugheit, strich: getastetes Plaudern, bis jedes wieder in seinem Häuschen stand, fiel ihm von ohngefähr an entlegener Stelle ein unbekanntes Buch in die Hände. Verwunderlich schien das keineswegs. Erasmusens und seiner Mutter Interessen waren zahlreich und verschieden genug, um ihn selbst noch kaum berührt zu haben. Er öffnete es eigentlich auch nur, weil es so schwarz, dick und auf dem Rücken ohne Titel war. Durchblätterte mechanisch lange, dünne, engbedruckte Seiten. Erstaunlich bösartige, ja flegelhafte Sentenzen stießen allerorten wie unsaubre Fäuste nach ihm: „Der Herr wird dich schlagen mit Feigwarzen, mit Grind und Krätze, daß du nicht kannst heil werden.“
Er staunte: „Ich weiß zwar nicht, was Feigwarzen sind, aber es wird schon danach sein.“
„Der Herr wird dir die Pestilenz ...“ nein, weiter —
„Der Herr wird dich schlagen mit Darre, Fieber, Hitze, Brand, Dürre, hitziger Luft und Gelbsucht und wird dich verfolgen, bis er dich umbringe ...“
Instinktiv hielt er das Buch weiter von sich ab, als zum Lesen unbedingt erforderlich.