Keiner der oberen Vierhundert scheint es zu hören.
Aus den Fräcken italienischer Kellner, aus ihren Manschetten, wenn sie Whisky-Soda servieren oder theatralische Viktualien, steigt der faulige Geruch muffelnder Schlafkammern, in denen ihre ungepflegten Körper die Servierdreß über verwesende Wolleibchen ziehen.
Keiner der oberen Vierhundert scheint es zu riechen.
Horus hatte innerhalb der Aura eines Mittelmeerkulis den Atem angehalten und versuchte nun wieder an anderer Stelle Luft zu schöpfen, sie war jedoch in diesem gegen die äußere Reinheit mit allen Machtmitteln der Mechanik abgedichteten Raum schon völlig verbraucht. Rotierende Windmotore fegten nur immer die Lungenexkremente der einen den andern in den Schlund.
Keiner der oberen Vierhundert scheint es zu fühlen.
Es war nach dem gemeinsamen X-mas-dinner zur Feier der „geistigen Wiedergeburt des Menschen“, wie europäische Schriften behaupten:
Royal natives
Consommé des rois étoilés
Mignonettes de chez elles à la Nazareth
Entrecôtes à la Sainte Vierge
Délices de fois gras Getsémaneh
Chapons à la Broche St. Jean
Parfait des Mages
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Frivolités.
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Besonders Johannes der Evangelist war als Kapaun überaus fett gewesen.
In kleineren Sälen, für Privatgesellschaften reserviert, ging die Theophagie noch weiter. Jemand, mit einem Banalitätstumor im Gehirn, sprach irgendwo rastlos Toaste. Im Spielzimmer saßen gewesene Menschen seit vorigem Mittwoch beim Bridge. Die große Hall aber füllten die eigentlichen Ortswechsler von Beruf — „die Auslagenarrangeure ihrer selbst“ — krampfhaft bemüht, immer im Lichtkegel des Scheinwerfers zu bleiben, von Florida bis Kairo. Eine irrende Horde, ewig im Umkleiden begriffen; mit hundert Kilometer Stundengeschwindigkeit eilend von einem Ort, wo sie nichts verloren — zu dem andern, wo sie nichts zu suchen hat.
Horus wäre gerne ganz in das wabernde Schmalz des Puccini geflüchtet, als Schutz gegen die Qual der Triplekakophonie. Es stand aber eine Phalanx dazwischen. Nicht zur eigentlichen Gesellschaft gehörig, heraufgespien von den Trabrennen: aus allen Angeln gedrehte Lebekommis, muskulöse Herren auf „esku“ aus der Pariser Affenoase mitten in der wilden Walachei, denen sehr schwarze Haare aus sehr weißen Manschetten stachen, ethisch völlig ausgeweidete Semiten aller Gegenden und Zonen, erfolgreiche balkanische Bandenführer im Smoking — das Nationalkostüm, größtenteils aus einem Nachthemd und zwei Pistolen bestehend, trugen nur mehr ihre Könige bei Photographen, junge Börsenbrut, von Angesicht, als habe eine Hausse in Trebern sie eben auf den Lebensmarkt geworfen, und der Kaufherr aus Braila, dessen gerundete Handbewegungen immer noch die Qualität der Schweinsbohnen liebevoll abzuwägen schienen, während seine Äuglein wie Läuse über alles hinkrochen.