Da vorbei schien unmöglich. Wenn sie in ihrem kabbalistischen Jobberslang von „Abstammung und geleistete Arbeit“ sprechen für gutes Abschneiden, und von „satteltief“ sich unterhielten, ohne daß man je sicher war: meinten sie ihre Rosse oder ihre Weiber — das vertrug er noch nicht. Lieber an den amerikanischen Müttern vorbei, um die ganze Hall herum.

Wie er so stand, versank ihm die Menge im Raum. Er fühlte für den Augenblick nur dessen zudringliche Saloppheit, die noch so unbeherrschten Machtmittel des Architektonischen am „Wohnleib“ Hotel, und sich darin als Transvestiten.

Der ganze bedrohliche Kasten war, wie alles „neueste“, im Gegensatz zum räudigen Tragantstiel kleinerer Börsencoups der achtziger Jahre, ganz auf Südamerika berechnet, somit auf den natürlichen Ungeschmack des Romanen, zum Exzeß gesteigert durch Reichtum und Hitze: Stil des Tropenkollers ausgebrochener Sträflinge und nachmaliger Präsidenten von Republiken.

Gleich rechts vom Eingang saß schon einer: der alte Porphyrio Pães. Sauer war es ihm geworden, endlich seine dreißig Millionen ins Trockene zu bringen. Einmal war er der „Rebell“ gewesen, dann wieder der andre; ewig wechselnd. Oft auf der Flucht, hatte er sich schließlich aber doch darauf verstanden, daß im kritischen Moment immer seine Gegner von ihm abgeschnitten wurden „in Bezug auf die Köpfe“, wie es im spanischen Satzbau gebräuchlich ist.

Neben ihm hingen Sir Osmond Cadogans Beine als Schwebebrücken über die Hall zum fernen Kamin; der Verkehr wickelte sich unter ihnen klaglos ab. Seine schimmernden Pumps, offenbar heliotropisch, suchten so automatisch das Feuer, wie die Blüte das Licht. Er saß — die Schultern auf dem Sessel — nur der rechtwinklig abgebogene Kopf stand einsam in die Lehne hinauf und gab ihm das Aussehen eines sehr soignierten Jahrmarktautomaten — gleich würde er Lotterienummern zu spucken anfangen. Der ganze Sitzvorgang war bei ihm gleichsam um ein Stockwerk verlegt.

Die Hall barst von Stimmen. Unwillkürlich horchte Horus hin.

„Genia, waren wir schon in Rom?“

„Rom? — Oh mommo, das war doch dort, wo wir die hübschen seidnen Strümpfe zu 14 Frs. 75 gekauft haben,“ und Genia Waanebeeker wechselte zum Kamin, das kühle Gelee ihres Temperaments erzitterte leise, denn dort zerfloß schon allzulange Linda Bordone neben dem schönen Archangelo Cavadini.

14 Frs. 75, das ist doch 3 Dollar 5 Cent, oder verwechsle ich es wieder mit Fahrenheit — aber meine Liebe — bei Debenham und Freebody bekommen Sie doch first class hosiery für eleven six pence, das ist nur 13 Frs. 90! — überhaupt London: da haben Sie Harrod’s und Jay’s und Selfridge — und ... Aber ein Gegenchor stand auf: nein, es gibt nur ein place for shopping: die Galeries Lafayette — die Transformationen dort, die „blouses“ und alles versank endgültig in dem Rachen des großen Pofels.

Er war sehr begehrenswert, sehr anders, wie er im makellosen Abendanzug durch den Saal schritt, sogar die Mütter tauchten einen Moment aus den „Galeries Lafayette“, wo es am tiefsten ist, und berieselten ihn gierig mit ihren Lorgnons.