Nein, der Großfürst sei noch nicht eingetroffen, berichtete der maître d’hôtel, vorerst die Prinzessin et suite.

Nun kam, zwischen aufgerissenen Flügeltüren, sie selbst.

Der schwabbelige schwarze Kaftan, durch den sich wilde Formen wälzten, war glitschig von Bratensauce und Eigelb; darüber hing, bis zu den Knien, eine Märchenkette nußgroßer Perlen von kaum abzuschätzendem Wert. Die Füße staken in karierten Schlapfen.

Sie schob sich in merkwürdigen Kreissegmenten sehr schnell vorwärts, offenbar hatte man die ungeheuren Schenkel bandagiert, um ein Wundreiben zu verhindern. Von den Armen hingen ihr zwei Reticuls — schwer wie Rucksäcke — der eine mit Konfekt, der andere mit Tabak gefüllt. Die großen längsgerunzelten Ohren waren mit Antiphonen abgedichtet gegen jeden Lärm, vor den Augen trug sie eine Autobrille mit gelben Scheuklappen.

In ehrerbietigem Abstand folgte ein flohbraunes Lemurenmännchen, das diese äußerlich erzwungene Distanz durch eine keineswegs fundierte Familiarität den übrigen Anwesenden gegenüber ins betulich Zirkusmäßige zu zerwitzeln offenkundig bestrebt war. Ein zweites Männchen, ebenfalls von polnisch-semitischem Typ, begleitete seine Herrin nur bis zu ihrem Separée und erhielt seinen Platz unter den übrigen Hotelgästen angewiesen.

Doch auch an den Flohbraunen richtete die Fürstin während der Mahlzeit kaum das Wort — füllte die Pausen der Gänge, indem sie aus dem Rucksack zur Rechten Bonbons verschlang, dem Rucksack zur Linken unaufhörlich Tabak entnahm und zu Zigaretten drehte, die kaum angerauchten aber spie sie sofort wieder weg.

Aß dann wie ein Oger. Mit tadellosen Bewegungen der langen, edel gebliebenen Hände. Das Embonpoint der Fürstin schien nicht an ihrem Kaftan enden zu wollen, war irgendwie ein respektloses — ein anarchisches Fett, evaporierte vielleicht heimlich, um sich, ganz weit weg, plötzlich auf einer firnen angelsächsischen Hemdbrust mit einem Klatsch niederzuschlagen; ganz gut zuzutrauen war ihm so etwas. Lag dergleichen in der Luft? — Bis zum vierten Tisch in der Runde, und trotz Glastüren, begann der maître d’hôtel immer wieder nervös über Gabel und Messer zu fahren, als kröchen dort Ölflecke aus.

Nach dem dinner, unausgesetzt kauend und rauchend, ging sie ins Spielzimmer. Der kleine polnische Jude wartete bereits vor einem Schachbrett. Unterdessen war im großen Musiksaal ein Wohltätigkeitskonzert ausgebrochen — die Neujahresrechnungen der Couturiers drohten. Irgend jemand plärrte bereits Patschuligebete von Gounod.

Eine Lady Patroneß näherte sich mit dem irrsinnigen Pferdegrinsen europäischer Gesittung dem Schachtisch: „Wollen Sie nicht zu unserem Konzert kommen, Fürstin?“

„Ja, es ist entsetzlich, wieviel Dreck einem unaufhörlich in die Ohren getutet wird.“