Ich sehe den Zug! rief Mildred, und in der nächsten Minute würde er uns erreicht haben, wenn wir nicht auf die Kreuzbalken heruntergeklettert wären, während er über unseren Köpfen davonbrauste. Ich fühlte den heißen Dampf der Lokomotive in meinem Gesicht, und der Rauch und die Asche erstickten uns beinahe. Als der Zug vorüberrollte, schwankte die Brücke so, daß ich glaubte, wir würden in die Schlucht hinunterstürzen. Mit der äußersten Schwierigkeit gelangten wir wieder auf das Geleise. Lange nach Einbruch der Dunkelheit erreichten wir das Haus und fanden es leer; die ganze Familie war ausgezogen, um uns zu suchen.
Zwölftes Kapitel.
Besuch im Norden. — Wintervergnügungen.
Nach meinem ersten Besuche in Boston brachte ich beinahe jeden Winter im Norden zu. Einmal besuchte ich ein Dorf in Neuengland mit seinen zugefrorenen Seen und seinen weiten Schneefeldern. Damals fand ich Gelegenheit, wie ich sie nie zuvor gehabt hatte, die Annehmlichkeiten einer Schneelandschaft kennen zu lernen.
Ich erinnere mich noch, wie erstaunt ich war, als ich entdeckte, daß eine geheimnisvolle Hand das Laub von Bäumen und Sträuchern gestreift und nur hier und da ein vertrocknetes Blatt zurückgelassen hatte. Die Vögel waren fortgezogen, und ihre leeren Nester auf den kahlen Bäumen waren mit Schnee gefüllt. Der Winter lag auf Hügel und Feld. Die Erde schien unter seiner eisigen Berührung erstarrt zu sein, und selbst die Geister der Bäume hatten sich bis zu den Wurzeln hinabgeflüchtet und lagen, in der Finsternis zusammengekrümmt, im festen Schlafe. Alles Leben schien erstorben zu sein, und selbst wenn die Sonne hervorkam, war der Tag
Trüb und kalt,
Als seien ihre Adern saftlos und alt;
Die Sonne erhob sich matt und schwer
Und warf einen müden Blick über Land und Meer.