Das Unzulängliche,

Hier wird’s Ereignis;

Das Unbeschreibliche,

Hier ist’s getan;

Das Ewig-Weibliche

Zieht uns hinan.[11]

Von allen französischen Schriftstellern, die ich gelesen habe, sagen mir Molière und Racine am meisten zu. Bei Balzac finden sich einzelne Schönheiten und bei Merimée Stellen, die wie ein frischer Windstoß von der See her wirken. Alfred de Musset ist unmöglich. Ich bewundere Victor Hugo — ich schätze sein Genie, seine glänzende Sprache, seine Romantik; trotzdem gehört er nicht zu meinen Lieblingsschriftstellern. Goethe und Schiller, überhaupt alle großen Dichter großer Völker sind Verkünder ewiger Wahrheiten, und mein Geist folgt ihnen verehrungsvoll in die Regionen, wo das Schöne, Wahre, Gute eins sind.

Ich fürchte, ich bin in der Aufzählung meiner Lieblingsbücher zu ausführlich geworden, und doch habe ich nur die Schriftsteller erwähnt, die mir am besten gefallen; dabei könnte man leicht auf die Vermutung kommen, daß mein Freundeskreis sehr engbegrenzt und undemokratisch sei, und doch wäre dies ein gewaltiger Irrtum. Ich habe viele Schriftsteller aus mancherlei Gründen gern, — Carlyle wegen seiner Rauheit und seiner Verhöhnung alles falschen Wesens, Wordsworth, der die Einheit von Mensch und Natur lehrt; ich finde einen hohen Genuß an den Seltsamkeiten und Abenteuerlichkeiten Hoods, an Herricks Zierlichkeit und dem Duft von Rosen und Lilien, den seine Verse ausströmen; ich liebe Whittier wegen seiner Begeisterung und sittlichen Geradheit. Ich kenne ihn persönlich, und die Erinnerung an unsere Freundschaft verdoppelt den Genuß, den ich beim Lesen seiner Gedichte empfinde. Ich liebe Mark Twain — wer tut dies nicht? Auch die Götter haben ihn geliebt und in sein Herz alle Keime der Weisheit gepflanzt, auch aus Furcht, er könne Pessimist werden, über seinen Geist den Regenbogen der Liebe und des Glaubens gespannt. Ich liebe Scott wegen seiner Frische, und seiner stürmisch sich Bahn brechenden Rechtlichkeit. Ich liebe alle Schriftsteller, deren Empfindungen wie bei Lowell in dem Sonnenschein des Optimismus emporquellen, Jungbrunnen der Freude und des guten Willens, die gelegentlich auch einen Zornesspritzer von sich geben und eine erquickende Atmosphäre von Liebe und Erbarmen um sich her verbreiten.

Mit einem Worte, die Literatur ist mein Utopien. Hier bin ich von keinem Rechte ausgeschlossen. Keine Sinnesschranke schließt mich von dem wohltuenden, genußreichen Verkehr mit meinen Lieblingsbüchern aus; sie sprechen frei und unbehindert zu mir. Alle Schulweisheit erscheint mir lächerlich gering gegenüber der „weltumspannenden Liebe und himmlischen Barmherzigkeit“, die sich in ihnen ausspricht.

[10] Vergl. [S. 67], [154].