»Nein,« sagte Olly. »Gar nicht.«

An diesem selben Tage kam der Doktor, wie er gesagt hatte, und nahm die erste eingehende Untersuchung vor. Gastelmeier stand betroffen dabei. Als er Olly unter den Händen des Arztes sah, so hilflos unter einer fremden Macht – da legte sich es ihm wie eine dunkle Wolke über die Seele. Was war denn das? Es drängte sich etwas bei ihnen ein, etwas Dunkles, Unerwartetes, etwas, auf das nicht gerechnet war.

Der Arzt sagte, daß alles, was jetzt nicht so ganz in Ordnung sei, sich geben werde. Er sprach von Ruhe und Pflege, schimpfte über den Unsinn, daß Olly bei dem Winde heute ausgefahren war. Sie sollte jetzt daheim bleiben wochenlang, jedenfalls ohne ärztliche Erlaubnis nicht ausgehen.

»Na, was ist's denn?« fragte Gastelmeier hart, um seine Sorge zu verbergen.

»Was wird's denn sein?« sagte der Arzt. »Wir haben da ein sehr zartes Frauchen, das eine Weile noch gepflegt werden muß. Wenn sie vernünftig ist, macht sich alles gut.« Er hieß Olly sich ruhig auf das Sofa legen. Emil breitete ihr eine Decke über die Kniee. »So, mein Kind, so werden Sie jetzt ganz ruhig und friedlich bleiben. Sie haben Fieber und ich sollte Sie eigentlich zu Bett schicken; aber ich weiß, wir haben es mit einem unruhigen Geist zu thun.«

Olly äußerte sich in keiner Weise. Sie lag still und matt da und schien sich nach der Anstrengung des Tages doch recht unwohl zu fühlen. In der Dämmerstunde aber kam Köppert unerwartet. Als das Mädchen ihn meldete, flog es wie ein Sonnenstrahl über Ollys Gesicht, und auch Gastelmeier kam er wie gerufen.

Olly wollte sich erheben, aber Köppert ging auf sie zu und drückte sie zart und freundlich, wie ein krankes Kind in die Kissen zurück, so einfach und natürlich und ohne ein Wort dabei zu sagen. Er legte ihr auch die Decke wieder über die Kniee – geschickt und sorgsam. Es war keine Spur von Fremdheit bei ihm zu spüren: dann setzte er sich neben Ollys Lager und erzählte dies und jenes, und kam auch wieder auf ihre Bilder zu sprechen und machte ihr allerlei Vorschläge. Er sprach zu ihr wie zu seinesgleichen, ohne alles Gönnertum, wie der Künstler zum Künstler.

»Sonderbar,« sagte Olly, »weshalb sind Sie so gut zu mir? Halten Sie mich wirklich für etwas – etwas – ich weiß nicht – darf ich's nennen?«

»Ja,« sagte Köppert.