»Jetzt möcht' ich wirklich wissen,« fuhr Köppert riesig lebhaft fort, »sowie einer im lieben Deutschland für drei Pfennig Bildung, das heißt, so viel wie nötig Firmenschilder ausgehängt hat, daß man möglichst von seiner Person nichts mehr zu sehen bekommt; ob der noch ein vernünftiges, nicht gestohlenes Wort spricht? – Gott bewahre. Wenn er spazieren geht, und er will irgend jemand mitteilen, daß er sich von dem Anblick der Natur angenehm gekitzelt fühlt, so wett' ich daß er sagt: Sieh' mal so etwas – der reine Millet, oder der reine Dagnan-Bouveret, oder der reine Böcklin! – Er wird irgendwen citieren – einen Namen, versteht sich –«

»Nu, sag 'mal, Köppert,« fragte Gastelmeier, »weshalb eigentlich hast du dich jetzt ereifert? Kein Mensch hat irgend etwas gesagt.«

»Nein,« erwiderte Köppert, »niemand. Aber sieh dich gefälligst einmal im Zimmer um, eine gewisse kleine Person hat ihren Spaß daran gehabt – sieh doch. Als ob es nichts wäre, wenn so ein Seelchen zum Lachen kommt. Oder etwa nicht?« Er fuhr sich durch den Haarschopf. »Meinst du, es ist verdienstlicher, eine Kanone abzuschießen? Oder es ist verdienstlicher, eine Vorlesung zu halten, oder vor fünfhundert Eseln das hohe C zu singen, oder auf dem Seil zu tanzen? Was ist eigentlich vernünftiger? Weißt du, Gastelmeier, wenn du deine Frau vergnügen willst, sei kein zu großer Biedermann. Das ist nichts für die Weiber!«

»Oho,« meinte Gastelmeier, »ich sagte dir schon, Köppert, was weißt denn du von den Weibern? Heirate eine, wenn du's wissen willst – vorher red' net.«

»Weiß er's denn?« fragte Köppert und kniff die Augen zusammen.

»Er weiß gar nichts,« lachte Olly. »›Die‹ Weiber, das ist überhaupt ein sehr komischer Sammelname,« fuhr sie fort. »Wer ›die‹ Weiber sehr gut zu kennen glaubt, kennt ›das‹ Weib gewiß nicht. – Jawohl, Mimm. Und wissen Sie, noch etwas –«

»Na?« sagte Köppert.

»Es giebt jetzt etwas, das hat es so noch nie gegeben, so wie ich's meine: – das moderne Weib, und das ist immer in der Einzahl. Verstehen Sie?«

»Nein – nein, das hab' ich noch nicht verstanden.« Er fuhr sich mit seinem energisch geformten Zeigefinger über die Stirn bis zur Nasenwurzel. »Sie sollen es mir auch nicht erklären – nicht viel reden. Passen Sie auf, ob ich's hab'. Natürlich ist's das Weib, das die Hände nach Dingen ausstreckt, die wir Scheusäler ihm jahrtausendelang vorenthalten haben.«

Er murmelte immer, man verstand ihn nicht leicht, dazu sprach er undeutlich aus.