Als das Mädchen aber Herrn Köppert meldete, konnte sie sich vor freudigem Schreck nicht auf den Füßen halten. Es durchzitterte ihr den ganzen Körper.
»Mimm,« rief sie, »Herr Köppert kommt!«
»Was?« rief Gastelmeier aus dem Nebenzimmer. Da war Köppert aber schon eingetreten.
Sie streckte ihm beide Hände entgegen. Das war ihre Art nicht, die Leute zu empfangen. Aber hier war es ganz natürlich. Es war eben der Gruß für Köppert, für niemand sonst. Sie begrüßte ihn so unverstellt glückselig, wie ihn bisher eigentlich nur sein Hund begrüßt hatte.
›Armes Seelchen!‹ dachte er und faßte die schlanken, heißen Hände so zart an und führte das bewegte, kranke Geschöpf zu einem Platz zum Ruhen und fühlte, wie er ihr wohlthat. Er hatte sein Lebtag viel mit Tieren sich zu thun gemacht und verstand sich daher auf unverstellte Gefühlsausbrüche. Seine jüngeren Brüder, wie er sie nannte, hatten ihn nie in Ungewißheit gelassen. Das Seelchen hatte eine helle Freude, wenn er kam.
»Wissen Sie,« sagte ihm Olly, »daß ich sehr krank bin?«
»Nein,« sagte er. »Was heißt sehr krank? Wir sind alle sehr krank. Das Leben ist eine lange Krankheit. Wir glauben nur, daß wir gesund sind.«
»Bitte,« sagte Olly, »mit mir müssen Sie wenigstens ganz einfach sprechen. Ich weiß, es wird jeder reden, als wenn gar nichts wäre, – thun Sie das nicht.«