»Als ganz gewöhnlicher Mensch,« erwiderte er. »So um fünf Uhr morgens, da war's genug. Ich kann etwas vertragen eigentlich. Endlich nervös wie ein Vollblutpferd, einfach wütend. Ich geh' hinunter zum Strand, es war an der See. Ein grauer Morgen – riesig fein. Ich warf die Kleider ab – und nun hinein – ganz langsam. – Nach den rapauzigen Borsten diese Weichheit! Herrgott noch einmal! Dabei war's kalt; aber eine Weichheit! – weich wie mit Mutterhänden strich mir's am Körper hin – so wie Mutterhände eigentlich sein sollten!« Er reckte sich wie im Ärger – »ja – sollten!«
»So ist mir's nach den Borsten, auf denen man sich sein Lebtag zu wälzen hat, wenn wir beide miteinander sind. Eine Weichheit! Da ist nichts, was sticht und reibt. Ich vergesse, daß ich Raubtier bin – keine Reue, keine Wut – ganz einfach Kameradschaft. Worte!« brummte er, »das ist auch nicht das rechte Wort,« und er schaute immer noch nach seiner Fußspitze.
Ollys Blick aber hatte aufmerksam und tiefbewegt an ihm gehangen. »Ach, geben Sie mir die Hand,« sagte sie.
Und er faßte ihre beiden heißen, durchsichtigen Hände und sah ihr gerade in die Augen.
»Weshalb sagen Sie das zu mir? Um mich glücklich zu machen?«
»Man sagt einander viel zu wenig Gutes,« meinte er.
Sie hatte etwas ganz Verklärtes. Ein Friede lag über dem Gesicht, der Köppert seltsam berührte, und sie behielt seine Hand in den ihrigen.
»Ich danke Ihnen,« sagte sie leise. »Ist das eine wunderbare Sache, daß Sie zu uns gekommen sind! Mimm sagte den ersten Tag, als Sie kamen: ›Dein Messias kommt‹. Ihre Werke waren mir Offenbarungen – das wissen Sie. – Und nun – nun!« Sie konnte nicht weiter sprechen, sah ihn aber an mit einem Ausdruck, als läge sie vor ihm auf den Knieen und küßte ihm die Hände.