Sie waren beide jetzt still. Emil brachte die Lampe herein. »Er ist so gut,« flüsterte sie.
»Jawohl,« sagte Köppert, »er hat so etwas wie Herz. Deshalb ist er aber doch faul und ein halbgebackenes Brötchen, wenn er über Dinge spricht, die ihn nichts angehen.« Er lachte Emil zu.
»Oho,« sagte Emil, schlug sich aufs Knie und ging wieder zur Thür hinaus.
»Morgen kommt der Doktor, um wieder eine Untersuchung zu machen. Gott weiß, was er da findet! Kommen Sie, bitte, nachmittags.« Sie sagte das bebend. Köppert mußte sich ganz zu ihr hinneigen, um sie zu verstehen.
Sie machte eine Pause, dann fuhr sie fort: »Es wär' gut, wenn Sie kämen. Mimm verliert immer ganz den Kopf. Und Mama! – mein Gott, wenn Mama doch nicht käme! Aber sie sind immer alle da, – die beste ist noch Tante Zänglein, aber die ist so ein kleiner Irrwisch. Sie schaut sich alles an – ich weiß nicht wie – so kühl. Ich bin grenzenlos allein, wenn sie alle aufgeregt sind. Niemand denkt an mich, jedes an sich. Wie man das spürt, wenn man so krank ist! Diese Einsamkeit! Emil – Emil ist gut. Also Sie kommen?«
Als Köppert ging, dankte sie ihm noch einmal mit einem Ausdruck, den er sein Lebtag nicht vergessen sollte.
Sie war wieder allein und lag still und unbeweglich wie vordem, ehe Köppert gekommen war; aber den großen Frühlingsschmerz hatte er von ihr genommen und ihr etwas dafür gegeben: Herzensfrieden und das sichere warme Sommerglück der Gegenwart. Die Sehnsucht, das Werdenwollen, das Quälen und Ringen und Kämpfen, das die Freude an dem, was schon ist, erstickt, hatte er ihr zurückgedämmt, und sie sah, vielleicht auch nur auf Augenblicke, daß schon etwas geworden war, von den Dingen, die sie so heiß erstrebte.
Gastelmeier kam zurück. »Nun, wie geht's Frauchen?« fragte er.
Da schlang sie den Arm um seinen Hals und sagte tonlos und heiser: »Mimm, hörst du, Köppert ist mein Kamerad. Er hat's mir eben gesagt.«