»Jetzt Emil, später bekommen wir eine Rotekreuzschwester. Weißt du, da sind Dinge mit dem Verband zu machen.« Er ging ungeschickt vorsichtig in seinen weiten, gestickten Hausschuhen voraus in das Nebenzimmer.

Als Köppert bei Olly in Gastelmeiers Begleitung eintrat, stand Emil, der neben ihrem Bett gesessen hatte, auf und flüsterte seinem Schwager ins Ohr: »Komm, es ist gut, wenn Köppert mit ihr spricht.«

»Jawohl,« sagte Gastelmeier.

Köppert sah, daß zwei bleiche Hände sich ihm entgegenstreckten – hilfesuchend, als läge der arme Kamerad nicht in seinem Kissen, sondern als triebe er in einem reißenden Strome von ihm ab.

Er faßte die hilfesuchenden Hände. Da machte sie die eine Hand los und zeigte nach ihrem Hals. Die Augen bohrten sich verzweifelnd in Köpperts Augen. Sie wollte sprechen. Es war, als packte den ganzen Körper ein Krampf. Solch eine Unruhe! Solch ein Verlangen! Sie wollte sich mitteilen. Sie mußte sich mitteilen, es war so unendlich viel geschehen. Sie war nun ganz zum Krüppel geworden – stumm – zerschnitten! Und das Leben-wollen! Und der Lebensjammer!

»Ruhig – ruhig,« sagte Köppert und legte den Arm um ihre Schulter. Sie lag etwas aufgerichtet.

So hielt er sie. Das that ihr wohl – für einen Augenblick. Dann zog der Jammer wieder über das Gesicht wie ein Regenschauer.

»Ich weiß alles, was Sie denken,« sagte Köppert. »Sehen Sie mir nur in die Augen.«

Und sie sah ihn folgsam an, starr unverwandt, und er hielt ihren Blick aus und las den ganzen bittern Kampf, das ganze Elend, wie in den Augen eines sterbenden Tieres.

Eine große, stumme Beichte. Ihr Körper zitterte, ihre Brust hob sich im Kampf. So saßen sie lange unverändert.