»Wie ist es denn?« fragte die alte Frau weiter und strickte, »wie ist denn das mit der Asche? – Wie sieht denn das aus? – Du –? Du erzählst einem auch gar nichts.«
»Wie das aussieht?« fuhr Köppert auf und stand vor seiner Mutter, die Finger ineinander gekrampft, grau, hager, so zugespitzt, sonderbar, so in sich selbst verkrochen.
Die alte Frau strickte weiter, zählte ab und merkte nicht auf ihren Sohn. »Ja, wie ist's denn?« fragte sie noch einmal behaglich unter dem Zählen und steckte sich eine Stricknadel durch die Haube. »Ist's denn eine Blechbüchse – ich hab' so gehört. Wie eine Blechbüchse?«
»Nun ja, Mutter – eine Blechbüchse – verlötet – ganz wie Bohnen – das ist das Ende.«
Im letzten Winkel des Reiches, dort, wo aus dem bayrischen Algäu die niedrigen Pässe in die benachbarte Schweiz führen, liegt ein Hochthal. Die goldene Frühlingsabendstunde leuchtet darüber hin. Die Herrgottswände strahlen das Licht der untergehenden Sonne zurück. Frühlingswonne in jedem Gras, in jedem Kraut, in jeder Blume, im Moos, in jedem Laut, in jedem Duft. Wie Dankopfer steigt der Odem des neuen Lebens zum Himmel. Die Luft sonnendurchleuchtet. Alles strahlend, funkelnd, jauchzend – lebendig.
Daseinswonne für jede Kreatur. Der Winter vergessen, der Tod vergessen! Leben über Leben!
Es quillt, es strömt, es sproßt und breitet sich aus. Die Gebirgswässer sprudeln und tosen. Die grünen, schwerbelaubten Wipfel wiegen die neue Last. Die schwarze Erde schickt ungezählte bunte, duftende Gestalten zum Tageslicht. Die Welt ist neu – das Leben ist neu. Jeder Atemzug Gesundheit und Freude.
Am Weg, der zum einsamen Gehöft Rohrmoos führt, steht ein Mädchen, blond, rosig – ernst, aber als wären Frühlingskräfte auch über sie ausgegossen. Sie erwartet jemanden. – Den Weg herauf muß er kommen. – Und er kommt. –
Endlich.